Der Beobachter zeigt Mut:

Gegen Leisetreterei und hohe Tiere

Der Beobachter scheute sich nie, unbequeme Ansichten zu äussern. Während des Zweiten Weltkriegs geisselte er trotz Pressezensur die Massenvernichtung der Juden als «unmenschliche Tat, für die jedes Wort des Abscheus zu gering ist». Die Abweisung der Flüchtlinge an der Schweizer Grenze unter dem Motto «Das Boot ist voll» bezeichnete er als Unmenschlichkeit.

1988 enthüllte der Beobachter, dass der renommierte Rechtsanwalt Hans W. Kopp, Gatte der Bundesrätin Elisabeth Kopp, Millionen am Fiskus vorbeigeschleust hatte. Damit läutete er auch das Ende von Elisabeth Kopps Karriere als Bundesrätin ein.

Über den Beobachter stolperte auch Hans Hess, Justizdirektor im Nebenamt in Obwalden. 1986 machte der Beobachter publik, dass Hess als Anwalt ausländische Steuerflüchtlinge juristisch vertreten hatte gegenüber dem Kanton, dessen Interesse er als Regierungsrat wahren sollte. Seine Tage im Amt waren gezählt.

Der Beobachter bewegt: AHV, Opferhilfe und Gentech

Dreimal hat der Beobachter zum Mittel der Volksinitiative gegriffen, um seine Anliegen zu verwirklichen. Alle Initiativen konnten vor der Abstimmung zurückgezogen werden, weil der Bundesrat mit den Gegenvorschlägen die Forderungen weitgehend erfüllte.

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1962 erreichte der Beobachter mit seiner Initiative, dass die AHV für alle Schichten Renten auszahlte, die auch die Existenz sichern. Sie war von mehr als 230000 Stimmberechtigten unterzeichnet worden.


163000 Stimmberechtigte unterschrieben 1985 die Beobachter-Initiative, die eine umfassende Hilfe für die Opfer von Verbrechen zum Ziel hatte. Dank ihr werden heute die Rechte der Opfer im Strafverfahren gewahrt, und sie erhalten Beratung, Schutz sowie finanzielle Entschädigungen und Genugtuung. Allein im Jahr 2000 wurden dadurch 8,4 Millionen Franken ausbezahlt.


In den achtziger Jahren verzeichnete die Medizin einen Durchbruch mit der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas. Mittels der Initiative «Gegen die Missbräuche der Fortpflanzungs- und Gentechnologie beim Menschen» erreichte der Beobachter, dass dieser Bereich rechtlich geregelt wurde. Missbräuche wie die Züchtung von Menschen sollten damit verhindert werden. Letztlich ging es darum, die Würde des Menschen zu respektieren.

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Der Beobachter hilft: SOS Beobachter

Konkrete Hilfe gehört längst zur Tradition des Beobachters. Jeder gespendete Franken kommt vollumfänglich den Bedürftigen zugute; der Beobachter übernimmt alle administrativen Kosten. Dies ist die Maxime der Stiftung SOS Beobachter, früher «Weihnachtsaktion». Der Beobachter gründete sie 1981. Faktisch aber führte er damals bereits seit 50 Jahren Hilfsaktionen vor Weihnachten durch.

«Schweizer Kinder hungern und frieren», titelte der Beobachter 1933. Die Bergler hätten Hilfe verdient, «denn sie leiden, ohne zu klagen». Der Erfolg dieser Aktion übertraf die kühnsten Erwartungen: Mehr als 50000 Franken in bar und 27 Tonnen Kleider, Schuhe und Nahrungsmittel kamen zusammen.

Die Sammlungen gingen nach dem Krieg weiter. Auch in den boomenden siebziger Jahren betonte der Beobachter, dass noch viele Bergbauern in Armut lebten. Die «Weihnachtsaktion» brachte 1973 bereits 250000 Franken ein.

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In der Folge stiegen die Spendeneinnahmen kontinuierlich an. 1978 erreichten sie 840000 Franken. Weiterhin unterstützte der Beobachter die Bergbevölkerung, aber auch andere Personen in Notlagen. Ein Kleingewerbler erhielt einen Beitrag für den Wiederaufbau seiner abgebrannten Sägerei, einer Frau wurde die Zahnsanierung bezahlt.

Die hohen Spendeneinnahmen erforderten eine solide Basis für das noch immer informelle Hilfswerk. 1981 erfolgte die Gründung der Stiftung Weihnachtsaktion. Die Verlagsgesellschaft Beobachter dotierte sie mit 450000 Franken.

In neuster Zeit ergeben die Sammlungen pro Jahr rund 2,5 bis drei Millionen Franken. Vor Jahresfrist erfolgte die Umbenennung in «SOS Beobachter».

Der Beobachter hilft: Nothilfe und Wiederaufbau

Ethnische Säuberungen, Massenexekutionen, Vergewaltigungen und Flüchtlingselend mit diesen Schlagzeilen charakterisierten die Medien die Situation im Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawien. Beobachter-Leserinnen und -Leser haben der betroffenen Bevölkerung dreimal Hilfe zukommen lassen:

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1993 flohen rund 600000 Menschen aus dem kriegsgeplagten Bosnien nach Kroatien. Sie fanden bei Verwandten oder in Lagern notdürftig Unterkunft. Überlebenshilfe war ein Gebot der Stunde es mangelte selbst an Nahrungsmitteln. Der Beobachter forderte seine Leserinnen und Leser auf, Pakete mit folgenden Lebensmitteln zu schnüren: Öl, Reis, Mehl, Zucker, Teigwaren Kaffee, Tee, Sardinen, Dörrobst, Rindfleischkonserven und Schokolade. Die Verteilung in Kroatien übernahm die Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit der Caritas Kroatien. Das Ergebnis war überwältigend: 20 Sattelschlepper brachten Hunderte von Tonnen Lebensmittel zu den Menschen im Krisengebiet.


Zehntausende Tote und Kriegsversehrte, zerstörte Städte und Dörfer waren die Folgen des Kriegs. Eines dieser Dörfer heisst Golubic, zu Deutsch Täubchen. Es liegt nahe der Stadt Bihac. Der Krieg hatte in Golubic Muslime und Kroaten nicht entzweit. Sie wollten weiter zusammen leben. Fachleute der Caritas Schweiz planten gemeinsam mit den Dorfbewohnern den Wiederaufbau. Der Beobachter wollte das Geld aufbringen. Im März 1996 startete er seine Sammlung. Einmal mehr hatten Leserinnen und Leser ein Herz für die Kriegsopfer: Über 1,1 Millionen Franken kamen zusammen. Im Herbst 1996 war bereits ein Drittel der Häuser wieder bewohnbar, im folgenden Jahr konnten die einstigen Bewohner wieder einziehen.


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1998 und 1999 tobte der Kampf um den Kosovo. Rund 400000 Menschen flohen ins bitterarme Albanien. Sie wurden von Verwandten aufgenommen oder hausten in Lagern. Der Beobachter half zusammen mit der Caritas Schweiz und dem Kolping-Hilfswerk. Der Spendenaufruf brachte über 1,2 Millionen Franken ein. Damit kauften die Hilfswerke in Griechenland günstige Nahrungsmittel ein. Unterstützung erhielten auch jene Gastfamilien, die Flüchtlinge aufnahmen.