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Am TelefonAbgeknallte Krähen

Manchmal sind sie ganz und gar nicht einfach zu beantworten, die Fragen, mit denen sich Ratsuchende ans Beobachter-Beratungszentrum wenden.

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Wie zum Beispiel im Fall eines Lesers aus dem Kanton Zürich: «Ein Jäger hat eine Krähe von meinem Hausdach geschossen», erzählt er der Beobachter-Beraterin. «Er befand sich dabei auf meinem Grundstück.» Aber das sei nicht das eigentliche Verhängnis gewesen. Sondern: «Durch den Schuss ist mein Hund dermassen erschrocken, dass er weglief und über eine Mauer stürzte. Dabei hat er sich schwer verletzt – und die Tierarztkosten betragen 6000 Franken.»

Da legt die Juristin die Stirn in Falten und fragt die Kollegin am Nachbarpult um Rat. Die beiden sprechen auf Juristisch miteinander, blättern in dicken Kommentaren und wälzen die in Haftungssachen ausschlaggebende Frage, ob denn der Schuss «adäquat kausal» war. Will heissen: ob der Knall nach allgemeiner Lebenserfahrung geeignet war, die Verletzungen des Hundes zu bewirken.

Argumente werden ausgetauscht, Beweisfragen erörtert, Prozessrisiken abgewogen. Doch dann stellt sich heraus, dass den Ratsuchenden etwas ganz anderes beschäftigt: «Darf der Jäger einfach Krähen von meinem Hausdach knallen?» Diese Frage ist rasch beantwortet. Nein. Jedenfalls nicht ohne Einwilligung des Grundeigentümers.

Veröffentlicht am 02. Februar 2009