«Ich weiss nicht, ob Sie mir weiterhelfen können», meldet sich eine Ratsuchende aus dem Kanton St. Gallen am Telefon. «Mein dreijähriger Bub, der ­Jonas, kann einfach nicht ­alleine spielen. Immer braucht er mich. Ständig klagt er, ihm sei langweilig.» Ob es Situatio­nen gebe, wo es nicht so sei, fragt die Beraterin. «Am Spielgruppentag. Wenn er mit anderen Kindern spielen kann, ist er glücklich.» Jonas müsse erst lernen, alleine zu spielen und Langeweile auszuhalten, erklärt die Erziehungsberaterin. Das gehe nicht von heute auf morgen. Okay, so die Anruferin, Langeweile aushalten, das habe sie auch schon ­irgendwo gelesen. Ob es nicht auch noch was anderes gäbe? «Doch, schon. Jonas braucht den Kontakt zu Gleichaltrigen. Laden Sie Nachbarskinder zu sich ein oder treffen Sie sich mit anderen Eltern und deren Kindern.»

Schön und gut, räumt die Frau ein. Aber sie habe mit ihrem Betrieb genug zu tun und keine Zeit für Kaffeekränzchen. «­Ver-suchen Sie, Ihren Sohn mit kleinen Aufgaben zu beschäf­tigen, oder probieren Sie das Heute-macht-jeder-mal-­alleine-was-Spiel: zehn Minuten alleine und dann wieder zusammen spielen. Steigern Sie die Zeit allmählich auf bis zu eine Stunde.» – «Super Idee», freut sich die Mutter. Ob sie das auch den ganzen Tag ­spielen könne? «Nein, das ist dann doch zu lang», findet die ­Beraterin. «Okay», sagt die ­Ratsuchende leicht enttäuscht. «Aber ausprobieren kann ich es ja mal, oder?»