«Mein Mann findet, dass ich zu wenig verdiene», sagt eine Abonnentin an der Telefonhotline des Beobachters. «Er drängt mich zum Handeln. Was meinen Sie als Fachfrau: Soll ich?» – «Handeln ist immer gut», erwidere ich, «denn die Lohnhöhe ist tatsächlich Verhandlungssache. Haben Sie es schon versucht?» – «Oh ja. Und ich bin auf offene Ohren gestossen. Mein Chef ist auf alle meine Wünsche eingegangen.» Sie arbeite nun schon seit zehn Jahren für diesen Arbeitgeber und könnte es nicht besser haben. «So konnte ich bis jetzt alle Lohnerhöhungen umgehen.» – «Das verstehe ich jetzt aber nicht», erwidere ich verblüfft. «Können Sie auch nicht», klärt mich die Ratsuchende auf. «Mein Mann gibt das Geld mit vollen Händen aus – mein Geld notabene.» Denn er selbst werde von seinen Arbeit­gebern immer wieder entlassen.

«Ich habe das beste Leben»

Daher habe sie mit ihrem Arbeitgeber einen Deal vereinbart: «Er lädt mich zum Essen ein, geht mit mir ins Kino, und ich darf ihn auf Geschäftsreisen begleiten. Ich komme voll auf meine Kosten, verstehen Sie?» – «Nein, nicht wirklich», gebe ich zu. «Himmel, ist das denn so schwer zu verstehen?», erwidert die Frau leicht ungeduldig. «Ich habe das beste Leben, das es gibt. Oder denken Sie, dass mein Mann mich so verwöhnen würde? Der geht ja lieber ins Kasino.»