Dann handelt es sich vielleicht um Ihre Mutter, die vom Beobachter wissen wollte, wie man einen Sohn enterbt, der etwas Dummes getan habe.

Falls die Rede von Ihnen war: Keine Angst, Sie werden nicht enterbt. Dafür braucht es nämlich schwerwiegende, rechtswidrige und schuldhafte Gründe. Ihr Verhalten kann noch so sittenwidrig oder lasterhaft sein – der Pflichtteil kann Ihnen deshalb nicht entzogen werden. Das wäre nur möglich, wenn Sie gegen Ihre Mutter oder gegen eine ihr nahe verbundene Person ein Verbrechen begangen hätten. Ebenso wäre eine Enterbung bei schwerer Verletzung von familienrechtlichen Pflichten möglich.

«Nicht erst, wenn ich tot bin»

So schlimm sei es nicht, sagte die Frau am Telefon. Ob sie ihren Sohn aber testamentarisch auf den Pflichtteil setzen könne, wollte sie wissen. Das kann sie, sogar ohne Angabe von Gründen. Sie wolle aber schon, dass der Sohn erfahre, was sie an seinem Lebenswandel nicht gutheisse. Und zwar nicht erst, wenn sie tot sei. Was hindert sie denn daran, es ihm jetzt schon zu sagen? Eigentlich nichts, sagte sie. Es wäre sowieso an der Zeit, mal wieder vernünftig miteinander zu reden, sinnierte sie. Wenn man miteinander redet, ist vielleicht gegenseitiges Verständnis möglich – ein guter Vorsatz für das neue Jahr.