Die an einem Seil befestigte Transportkiste vom Tal zum Hof Aegetli hoch über Grafenort im Kanton Nidwalden lief auf Hochtouren, nachdem der Beobachter über das mühselige Leben der Bergbauernfamilie Egger berichtet hatte (siehe Artikel zum Thema Sozialhilfe: «Armutszeugnis für die Schweiz»). Viele Pakete mit Kleidern, Schuhen, Skiausrüstungen, Spielsachen, Kinderbüchern und auch Süssigkeiten für die fünf Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren schaukelten den schroffen Abhang hoch.

Die Eltern sind von der Anteilnahme nach dem Beobachter-Artikel über die neue Armut in der Schweiz überwältigt und wissen die spontane Hilfe zu schätzen. «Jetzt haben die Kinder endlich wieder tadellose Kleider und Schuhe», freut sich Mutter Susanne. Und Vater Mathäus sagt: «Dank eines Zustupfs belasten auch die Kosten des Kinderzmittags in der Schule unser knappes Budget nicht mehr.» Die Kleinen trauen ihren Augen kaum, wenn sie Bücher und Spielsachen auspacken und gelegentlich ein Guetsli bekommen.

Selbst am Telefon sprachen wildfremde Menschen den Eltern Mut zu – zumeist ältere Leute, «die sich auch schon mit dem Nötigsten bescheiden mussten», sagt Vater Mathäus. Ein Ehepaar meldete sich spontan zu einem Besuch an und brachte Kleider mit.

Teils wollten die Spenderinnen und Spender anonym bleiben. «Wir möchten hier allen, die uns unterstützt haben, herzlich danken», sagen die Eltern. Die sichtlich entspannte und fröhliche Stimmung in der Familie scheint sich auch auf die Tiere zu übertragen, stellt Mutter Susanne fest: «Die Katzen sind noch verschmuster.»

Quelle: Judith Stadler