Kimon Erni, 22, steht in einer Industriehalle, in der früher Polizeiautos mit Sirenen ausgerüstet wurden. Im vorderen Bereich ist ein riesiger aus Schalltafeln gezimmerter Tisch mit bunten Folienrollen installiert. Im hinteren Teil der Halle befinden sich die drei Arbeitsplätze für ihn, seine Mitarbeiterinnen und die Lehrtochter. Kimons Beschriftungsfirma heisst Wasserfest – und beschriften kann er fast alles: Blachen, Autos, Tafeln. Gegen 150 Kunden hat er schon. Zurücklehnen kann sich der junge Unternehmer aus St. Gallen aber nicht.

Manchmal denkt Kimon, seine Jugend sei «ein wenig verloren gegangen». Als er mit 18 Jahren seine Lehre hinschmiss und eine eigene Firma gründen wollte, schüttelten Freunde und Bekannte zuerst bloss den Kopf. «Doch dann erhielt ich viel Unterstützung.» Die Eltern bürgten bei der Bank für die Hälfte des Startkapitals von 50000 Franken, die Kollegen und der Bruder packten mit an. Heute müssen sie nicht mehr einspringen, Kimon kann seinen Angestellten einen branchenüblichen Lohn bezahlen und sich selber «genug zum Leben». «Die Yacht muss warten. Das grösste Problem ist die Liquidität», sagt er. Um einen Auftrag zu erledigen, muss Kimon für einzelne Arbeitsschritte oft mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, weil er selber nicht alle nötigen technischen Gerätschaften hat. Diese Leistungen muss er bezahlen – und zwar meist, bevor er vom eigenen Kunden Geld erhält.

Rückblickend würde er mit dem Startkapital etwas vorsichtiger umgehen – das Geld war schneller weg, als er dachte: Er sass ein halbes Jahr in seiner Halle und hatte weder Kunden noch Arbeit. Nicht zuletzt dank seiner grossen Flexibilität – Kimon beantwortet Anfragen auch noch nachts um 23 Uhr – konnte er sich einen Kundenstamm schaffen und durch professionelle Arbeit halten. «Ich bin auch dann da, wenn alle anderen Beschrifter Betriebsferien oder Büroschluss machen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.»

www.wasserfest.ch

Quelle: Renate Wernli