Eifersucht«Meine Frau traut mir nicht»

Wer selber massiv eifersüchtig ist, verbirgt dahinter oft grosse Unsicherheit und grosse Selbstzweifel. Bild: Thinkstock Kollektion

Eifersucht hat schon manche Paare auseinandergebracht. Was Sie unternehmen sollten, wenn Sie selbst oder Ihr Partner stark eifersüchtig sind.

von Christine Harzheim

Frage von Urs T.: «Meine Partnerin ist sehr eifersüchtig. Sie kontrolliert, wo ich bin und was ich mache, und durchsucht heimlich meine Sachen. Wir streiten deswegen heftig. Was kann ich dagegen tun?»

Kämpfen Sie nicht um die Wahrheit! Es geht nicht darum, wer recht hat. In einer Liebes­beziehung ist das Entweder-oder keine gute Wahl.

Eifersucht hat nahezu jeder schon mal mehr oder weniger heftig erlebt. Schleicht sich in eine Beziehung jedoch grundsätz­liches Misstrauen ein und wird verdächtigt, beschuldigt und kontrolliert, ist die Qualität des Zusammenseins massiv gestört.

Der Grund für solch zwanghaftes Ver­halten liegt oft nicht in der äusseren Realität, also etwa im Benehmen des Partners. Es sind innere Zustände, die Menschen dazu bringen, sich destruktiv und scheinbar bizarr zu verhalten. Vordergründig sind der Partner und der vermeintliche Verrat das Thema der Auseinandersetzung.

«Du verschweigst mir etwas, du bist untreu» – das sind Vorwürfe, die eine Beziehung auf Dauer zermürben. Beteuerungen, dass man treu ist, liebt, den Partner schön findet und nichts zu verbergen hat, bewirken keine Entspannung. Sie versinken offenbar ohne Resonanz in einem Fass ohne Boden. Es gibt nichts, was hier besänftigen kann.

Das liegt daran, dass sich hinter den Beschuldigungen und dem aggressiven Kontrollverhalten oft grosse Unsicherheit, massive Selbstzweifel und eine irrationale Angst vor dem Verlassenwerden verbergen.

Sie machen sich schwer wie Sumoringer

Bleiben betroffene Paare in diesem Kreislauf von Verdächtigungen, Unschuldsbeteuerungen, weiteren Verdächtigungen und erneuten Beteuerungen stecken, wird sich nichts verändern. Die Partner bewegen sich wie Sumoringer im Kampf, verharren unbeweglich, machen sich schwer und versuchen, durch das ständige Wiederholen der eigenen Argumente eine Lösung zu finden.

In einer solchen Kampfsituation gibt es aber immer einen Verlierer. Und wer im aktuellen Fight von der Matte gedrückt wird, hat das Bedürfnis nach Revanche. Nach dem Kampf ist vor dem Kampf, und irgendwann dominiert die Frage «Wer hat recht?» die Beziehung. Zuneigung, Intimität und Vertrauen drohen zu verschwinden.

Wenn man etwas verändern möchte, muss man die Matte verlassen. Wichtig ist zu realisieren, dass man in einer solchen Verengung gefangen ist. Nun muss man einen grossen Schritt zurücktreten und gemeinsam aus der Distanz einen Blick auf die sich wiederholende Situation wagen: Was sind die Auslöser? Wie fühlen, denken und verhalten sich die Akteure? Wie könnte man den Verlauf verändern?

Es kann sinnvoll sein, diesen Weg von einem erfahrenen Paarberater begleiten zu lassen. Rückfälle in den Kampf und erneute Verletzungen können so vermieden werden. Die selbstunsichere, eifersüchtige Person hat die Möglichkeit, sich ihren Selbstwertzweifeln in einem eigenen therapeutischen Prozess zu widmen. Die Ursachen für solch vernichtende Gefühle können weit in die eigene Geschichte zurückreichen. In einer Therapie werden Strategien erlernt, mit den Eifersuchtsgefühlen umzugehen und Selbstbewusstsein aufzubauen.

So wird Eifersucht nicht zum Liebestöter

Tipps für den Eifersüchtigen

  • Nehmen Sie wahr, wenn Ihr Verhalten kontrollierend wird.

  • Stoppen Sie es und werden Sie sich Ihrer Gefühle dahinter bewusst.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Unsicherheiten, aber übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Gefühle.

  • Wiederholen sich Konflikte rund um Ihre Eifersucht, suchen Sie sich Unterstützung durch einen Paartherapeuten oder eine Paartherapeutin.

  • Falls Sie unter Selbstunsicherheit leiden, bauen Sie zusammen mit einem Therapeuten Ihr Selbstwertgefühl auf.



Tipps für den Beschuldigten

  • Lassen Sie sich nicht auf einen Kampf um die Wahrheit ein.

  • Rechtfertigen Sie sich nicht, sondern interessieren Sie sich für die Gefühle, die hinter dem Verhalten Ihres Partners liegen.

  • Wenn sich konflikthafte Situationen unverändert wiederholen, holen Sie sich Unterstützung bei einem Paartherapeuten oder einer Paartherapeutin.
Veröffentlicht am 2015 M06 09