LiebeBis dass die Zeit euch ...

Action Man: «Ich habe meine Gotte vergöttert. Fühlte mich verstanden, und sie überhäufte mich mit Geschenken. Irgendwann wanderte sie aus. Ohne sich zu verabschieden. Warum, habe ich nie begriffen.» Bild: Christian Schnur

Dinge erzählen Liebesgeschichten: Eine Ausstellung in Basel zeigt Trümmer vergangener Beziehungen. Es geht um grosse Gefühle, späte Rache, frühen Tod und heisse Tränen.

von René Ammann

Hinweis: Klicken Sie sich durch die Bildergalerie und lesen Sie 14 Geschichten zu ausgewählten Ausstellungsobjekten.

Was bleibt? Was bleibt nach den Schmetterlingen im Bauch, dem Herzklopfen, den Küssen und erschöpfenden Nächten? Nach der Gleichgültigkeit, der Entfremdung, den schmallippigen Therapiesitzungen und den vergossenen Tränen?

Vielleicht bleibt bloss ein Stück Unter­wäsche, garniert mit galligen Worten:

«Der String-Tanga war wie sein Charakter. Billig.»

Museum für gescheiterte Beziehungen

Willkommen im Museum der zerbrochenen Beziehungen. Eingenistet hat es sich im Haus zum Kirschgarten, einem grossbürgerlichen Palais in Basel. Zwischen korinthischen Säulen, o-beinigen Kommoden und Himmelbetten sind sie ausgestellt: 100 Objekte, die von der grossen Liebe und deren Ende erzählen.

Ursprung in Zagreb

Entstanden ist das Museum of Broken Relationships in Zagreb. Ein Künstlerpaar aus Kroatien war am Ende seiner Beziehung zur Einsicht gekommen, die gemeinsame Zeit möge man sich nicht vom Ende versauern lassen. Das Paar lud weitere Leute ein, die eine Trennung hinter sich hatten. Es war die Geburt des Museums der zerplatzten Träume. 2000 Objekte, einst heiss geliebt, wurden in den zehn Jahren seines Bestehens abgegeben.

Bei jeder Station, wo die Sammlung Halt macht, ob in Istanbul, Mexico City oder Singapur, geben weitere Ex-Liebende weitere Stücke ab, an denen ihr Herzblut klebte. Dazu liest man die Geschichte von der süssen Liebe («An jenen Tag, an dem wir uns zum ersten Mal küssten, wollte ich mich noch auf meinem Totenbett erinnern»). Aber auch Geschichten vom Scheitern:

«Sein Hund hinterliess mehr Spuren als er.»

Museum für gescheiterte Beziehungen

Die Geschichte haucht dem Objekt, dessen emo­tionaler Wert Aussenstehenden oft rätselhaft bleibt, Leben und Leidenschaft ein.

«Nicht leicht zu bekommen»

In Basel werden 70 Objekte aus der inter­nationalen Sammlung gezeigt und rund 30 aus der Schweiz. «Es war gar nicht so leicht, sie zu bekommen», sagt Ausstellungsmacher Benedikt Wyss. Vielleicht wollen die Schweizer ihren Schmerz nicht an die grosse Glocke hängen. Oder sie sind flinker im Entsorgen von Trümmern.

Dabei handelt es sich manchmal um durchaus symbolträchtige Stücke. Etwa das Doppelbett, das die Besucher gleich im Innenhof des Museums in Stimmung bringt. Oder die grosse Weltkarte, die mit Nadeln gespickt ist. Nach und nach wurde man des Reisens und des (gemeinsamen) Lebens müde, verlor sich und bog in unterschiedliche Richtungen ab.

Museum of Broken Relationships

Bis zum 30. August 2015 im Museum für Wohnkultur, Haus zum Kirschgarten, Elisabethenstrasse 27 bis 29, 4051 Basel.

Veröffentlicht am 2015 M04 14