LiebeskillerHäufigste Trennungsgründe in Beziehungen

Laut psychologischen Studien brauche es mindestens fünf liebevolle, positive Aussagen, um eine unbedachte verletzende Äusserung eventuell wiedergutzumachen. Bild: Thinkstock Kollektion

Irgendwann ist das Feuer in jeder Beziehung aus. Oder doch nicht? Die häufigsten Fehler in einer Partnerschaft – und wie man sie vermeidet.

von Käther Bänziger

Am Anfang jeder Liebesbeziehung steht irgendwo die Sehnsucht nach einer glücklichen, erfüllten und andauernden Partnerschaft. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus: Jede zweite Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Zu jenen Paaren, die sich ohne Trauschein geliebt und getrennt haben, sagt die Statistik allerdings nichts – genauso wenig zu jenen, die zwar zusammenleben, sich aber innerlich längst voneinander distanziert haben. Doch Fachleute schätzen ihren Anteil auf rund 25 Prozent. «Solange zum Beispiel die Kinder noch umsorgt werden müssen und man voll im Beruf engagiert ist, kann das gutgehen», sagt die Paar- und Familien­therapeutin Doris Beerli aus Wallisellen ZH. «Doch wenn eines von beiden wegfällt, werden die Probleme in der Beziehung meist offensichtlich.»

Ob die Probleme gelöst werden können, hängt von vielen Faktoren ab. Ganz stark etwa von der Bereitschaft, einen neuen Umgang miteinander zu finden und Veränderungen zu akzeptieren, stellt Beerli fest. Und obwohl jedes Paar seine ganz eigene Geschichte hat, gibt es in jeder Beziehung kritische Momente zu überstehen.

Nachfolgend finden Sie die acht häufigsten Beziehungskiller, die Doris Beerli in ihrer langjährigen Tätigkeit als Paartherapeutin untergekommen sind – und wie man ihnen vielleicht entkommt.

1. Ungleiches Geben und Nehmen

Wer in der Beziehung dieselbe Anspruchshaltung bewahrt wie früher als Kind gegenüber den Eltern, wird es schwer haben. Denn Eltern, insbesondere Mütter, sind stets da für die Kinder, hegen, pflegen und verwöhnen sie – und man muss sie dafür bekanntlich weder besonders wertschätzen noch ihnen gross Beachtung schenken. «Wer diese kindliche Anspruchshaltung in einer Partnerschaft nicht ablegt, die Liebe des Partners für selbstverständlich nimmt, ihm seine Zuwendung weder dankt noch erwidert, lebt schnell wieder allein», warnt Therapeutin Doris Beerli. Der Partner, die Partnerin wünsche sich auch in stressigen Situationen ein Gleichgewicht beim Geben und Empfangen und wolle stets wahr- und ernst genommen werden: «Ohne deutlich ausgedrückte Wertschätzung geht in der Liebe auf Dauer gar nichts.»

2. Seitensprung

In den Augen von Fachleuten ist Fremd­gehen ein Ausdruck dafür, dass in einer ­Beziehung einiges schiefläuft. Doris Beerli sieht dahinter fast immer den Versuch, sich in der neuen Beziehung das zu holen, was in der alten vermisst wird: gesehen und wahrgenommen werden, echtes statt nur vorgegaukeltes Interesse, Zeit füreinander. Mit jedem Seitensprung geht ein Vertrauensbruch einher – ob es gelingt, diesen zu verzeihen, hängt laut der Paartherapeutin auch davon ab, ob der Wunsch nach Gesehen- und Wahrgenommenwerden in der alten Beziehung wieder erfüllt und ältere Verletzungen verziehen werden können. «Nur wenn das alles gegeben ist, kann ein Paar ein zweites Mal Ja zueinander sagen.»

3. Der Partner darf sich nicht verändern

Bei der Hochzeit war Anna 22. Die Kindergärtnerin fühlte sich in vielem unsicher und war froh um die Unterstützung ihres Mannes Eduard, der sie – wie sie damals glaubte – auf Händen trug und ihr alles Unangenehme abzunehmen schien. Nach der Geburt des zweiten Kindes begann sie, sich in einem Gemeinschaftszentrum zu engagieren. Schliesslich übernahm sie dort das gesamte Kurswesen. Eduard, beruflich sehr engagiert, schien gar nicht mitzubekommen, wie Anna durch ihr Ehrenamt zu­sehends an Erfahrung und Selbstvertrauen gewann. Die Eheprobleme begannen erst, als sie einen bezahlten Job annehmen wollte. Das sei doch nicht nötig, meinte er. Anna verzichtete – wichtiger als der Wieder­einstieg war ihr damals der Wunsch nach einem dritten Kind. Doch sie wurde nicht mehr schwanger, und als ihr später erneut eine Stelle angeboten wurde, nahm sie an. Eduard tobte, aber diesmal gab sie nicht nach. Wenn sie arbeitete, bekam sie von ihm immer wieder zu hören, sie vernachlässige die Kinder, und als der Ältere Pro­bleme in der Schule bekam, war klar, dass ihr berufliches Engagement daran schuld war. Wirklich zu Ende war die Beziehung aber erst, als Eduard sich in eine wesentlich jüngere Arbeitskollegin verliebte.

4. Der Partner muss sich verändern

«Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird», sagte der französische Priester und Autor Michael Quoist. Dennoch fängt vieles, was man am Anfang einer Beziehung vielleicht sogar als liebenswert empfunden hat, irgendwann an zu nerven. Der mangelnde berufliche Ehrgeiz, dem man viele gemeinsame Abende verdankt, wird plötzlich zum Manko, denn er führt auch dazu, dass der Partner im Job nicht wirklich weiterkommt. «Mit Nörgeln und der Forderung nach Veränderung bekommt man solche Probleme nicht in den Griff», sagt Paartherapeutin Doris Beerli. Eher jage man den Partner damit davon, «denn ändern kann man letztlich nur sich selbst».

5. Zu wenig Zeit als Paar

In der Paartherapie ist die Situation ein Klassiker: Das Kind kommt, die Liebe geht. So jedenfalls fühlte es sich an für Gabriella und Philipp. Früher hatten sie als Traumpaar gegolten, das gemeinsam durch dick und dünn ging, während sich rundum Bekannte und Freunde trennten und wieder neu verliebten. Doch nach der Geburt des Söhnchens stecken die zwei in einem nie gekannten Tief. Der Bub fordert von der Mutter alle Kraft, schläft praktisch keine Nacht durch, und Philipp fragt sich seit geraumer Zeit, warum seine Frau nicht strenger ist mit dem Kind. Gabriella hingegen fühlt sich von ihm im Stich gelassen, zu wenig unterstützt. Bevor die beiden zu tief in die Teufelsspirale von Vorwürfen und Gegenvorwürfen geraten, beschliessen sie, eine Paartherapie zu beginnen. Der Aufwand scheint sich zu lohnen: Beide sind überzeugt, dass sie es künftig besser schaffen, in der Kindererziehung gemeinsam nach Lösungen zu suchen und Entscheidungen zu treffen. Dass Gabriella den Dreijährigen inzwischen auch mal bei der Grossmutter lässt, grenzt für Philipp fast an ein Wunder. Sie jedoch scheint fast erleichtert darüber, ihren eigenen hohen Ansprüchen als Mutter nicht immer genügen zu müssen und sich hin und wieder auch mal eine Auszeit zu gönnen.

6. Unbewältigte Vergangenheit

Am Anfang der Beziehung sah Roland in den Eifersuchtsszenen Susannes einen Liebesbeweis – später erdrückte sie ihn fast damit. Jede SMS, die er bekam, wollte sie sehen, alle Mails lesen, und irgendwann merkte Roland, dass sie heimlich seine Post öffnete und wenn immer möglich seine Telefongespräche mithörte. Wenn er sich abends verspätete, gab es regelmässig Szenen. Zwar verstand er den Grund ihres Verhaltens: Sie hatte in ihrer Kindheit mit­angesehen, wie ihr Vater die Mutter betrogen und belogen hatte. In einer früheren Beziehung hatte sie zudem erst nach Monaten erfahren, dass ihr Freund verheiratet war. Doch irgendwann wurde es Roland zu viel, unter Susannes unbewältigter Vergangenheit zu leiden. Immer wieder riet er ihr zu einer Therapie, versprach sogar mitzukommen, doch spätestens nach zwei Sitzungen ging sie nicht mehr hin. Ihr Mangel an (Selbst-)Vertrauen brachte ihn je länger, je mehr zur Weissglut, gleichzeitig hasste er sich dafür, dass sie ihn derart in Rage bringen konnte. Nach vier Jahren suchte sich Roland eine andere Wohnung und zog aus. Seine Exfreundin begann eine Therapie, brach diese aber wieder ab, als sie merkte, dass sie ihn damit nicht mehr zurück­gewinnen konnte.

7. Mangel an Zuneigung und Wertschätzung

Dass der Partner geliebt und respektiert werden will, scheint eine Binsenwahrheit zu sein. Im Alltagsleben fällt der liebe- und respektvolle Umgang miteinander dennoch manchmal schwer. Vor allem bei Auseinandersetzungen hagelt es Schuldzuweisungen und nicht selten auch verletzende Aussagen. «Wer seine Partnerschaft langfristig erhalten will, sollte lernen, auch in Stress- und Streitsituationen über die eigene Befindlichkeit zu sprechen und den anderen nicht mit Du-Botschaften anzugreifen», sagt Expertin Doris Beerli. Laut psychologischen Studien brauche es mindestens fünf liebevolle, positive Aussagen, um eine unbedachte verletzende Äusserung eventuell wiedergutzumachen.

8. Die gemeinsamen Ziele erreicht

Manuela und Peter haben alles erreicht, wovon sie geträumt haben: Das Haus ist gebaut, die Berufsziele sind erreicht, die Kinder so gut wie ausgezogen. War das nun schon alles? Manuela sehnt sich nach neuen Herausforderungen, möchte am liebsten noch einmal neu anfangen – warum nicht irgendwo im Süden? Das Geld ist nicht das Problem, doch Peter hat in der Schweiz ­seinen Beruf, den er nicht einfach auf­geben will. Aber auch Manuela will nicht auf ihren Traum verzichten: Sie zieht nach Griechenland, wo sie heute einen kleinen Olivenhain bewirtschaftet. Und die Ehe? Nach fast 30 gemeinsamen Jahren führen die beiden eine Fernbeziehung. Manuela sagt, sie sei froh um den neu gewonnenen Freiraum, möchte Peter aber nicht missen. «Ich denke, wir sind heute glücklicher.» Hätte sie dagegen vor der Wahl «Peter oder Griechenland» gestanden, hätte sie sich wohl gegen ihn entschieden. «Aber das war zum Glück nicht nötig, da er meinen Weg respektierte und einverstanden war.»

Buchtipp

Was Paare stark macht

Das Geheimnis glücklicher Beziehungen

Mehr Infos

Was Paare stark macht
Was Paare stark macht
Veröffentlicht am 2013 M01 04