Gordana Arezina kann nichts falsch gemacht haben, immerhin beschäftigte sie das Zürcher Universitätsspital 32 Jahre lang als medizinische Laborantin. Trotz ihrer Erfahrung darf die 57-Jährige aber nicht mehr auf ihrem Gebiet arbeiten – das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) anerkennt ihre Ausbildung nicht.

Wie es dazu kam: 1973 reist Gordana Arezina aus dem damaligen Jugoslawien in die Schweiz ein, eine Ausbildung als Sanitätstechnikerin im Gepäck. Im Unispital findet sie schnell einen Job. Sie versucht, vom SRK eine Anerkennung ­ihrer Ausbildung zu erhalten. Dass dies nicht klappt, beunruhigt sie nicht weiter – im Spital fragt niemand danach.

Das ändert sich 2004. «Man teilte mir mit, ich müsse wegen eines neuen Reglements eine zweijährige Ausbildung nachholen», erinnert sich Arezina. Sie ist damals 52 Jahre alt und mag nicht noch einmal den Beruf er­lernen, den sie seit Jahrzehnten ausübt. Enttäuscht kündigt sie – und findet wegen der feh­lenden SRK-Anerkennung bis ­heute keinen Job mehr.

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«Das Niveau ist heute höher»

Wie Gordana Arezina geht es vielen. Medizinische Fachpersonen, die in den siebziger Jahren aus dem Ausland in die Schweiz kamen und heute nicht über eine Anerkennung ihres Ausbildungsabschlusses verfügen, stehen oft vor grossen Schwierigkeiten, auch wenn ihnen niemand ihre beruflichen Fähigkeiten abspricht. «Die Anerkennung des Abschlusses ist heute häufig zwingend, damit diese Angestellten weiterhin in ihrem Beruf tätig sein können», sagt Nelly Owens, die beim Roten Kreuz für die Anerkennung ausländischer Diplome zuständig ist. «Denn das Niveau der Ausbildungen im Gesundheitswesen ist heute höher.»

Das trifft insbesondere auf den Beruf der medizinischen Laborantin zu: Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie hat ihn 2008 mit neuem Rahmenlehrplan auf das Tertiär­niveau angehoben. Nun steht der Beruf, den man früher mit einem Sekundarschulabschluss lernen konnte, nur noch ausgebildeten medizini­schen Praxis­assistenten oder Ab­solventen einer Fachmittelschule oder eines Gymnasiums offen.

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Gordana Arezina hat trotzdem einen neuen Antrag auf Anerkennung ihrer Ausbildung gestellt. «Ich mochte meine Arbeit sehr», sagt sie trotzig. «Und ich habe jahrzehntelang bewiesen, dass ich sie gut mache.»