Es ist vollkommen normal, eine Diskrepanz zwischen den eigenen Wünschen und den Erfordernissen des Alltags wahrzunehmen. Am besten lässt sich damit leben, wenn man sich zwar anpasst, aber die eigenen Ideale als Ziel im Auge behält.

Eine Beschäftigung mit Psychologie kann ich nur empfehlen. Man sieht sich selbst und die Welt klarer, wenn man intensiv über menschliches Erleben und Verhalten nachgedacht hat und es besser versteht. Schlecht ist nur, wenn man sich einseitig an eine psychologische Richtung klammert und alles mit derselben Theorie erklären will.

Die meisten Männer und viele Frauen verbringen einen Grossteil ihres Lebens am Arbeitsplatz. Deshalb ist es ausserordentlich wichtig, dass man sich dort wohl fühlt. Man kann zwar in einem faszinierenden Hobby einen Ausgleich finden, aber eine belastende oder ungeliebte Berufstätigkeit fällt dadurch nicht leichter.

Viele Leute realisieren allerdings gar nicht, wie wichtig die Arbeit für die Zufriedenheit im Leben ist. Erst bei Arbeitslosigkeit oder nach der Pensionierung stellt sich ein Gefühl der Leere ein – viele erkennen erst dann, dass ihnen etwas Wesentliches fehlt.

Manche arbeiten in erster Linie, um Geld für den eigenen Lebensunterhalt und oft für eine ganze Familie zu verdienen. Aber die Arbeit vermittelt auch Selbstbewusstsein, verbindet einen mit der Gemeinschaft, dient der Entfaltung der Anlagen und stärkt die Identität.

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Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Zufriedenheit am Arbeitsplatz nicht in erster Linie von der Höhe des Lohns abhängt, sondern viel stärker vom Arbeitsklima. Trotzdem ist es wichtig, einen Beruf zu wählen, der zu einem passt. Den absoluten Traumjob aber gibt es nicht: Eignung, Neigung und Arbeitsmarkt müssen zusammenpassen. Deshalb sollten auch Erwachsene, die sich neu orientieren wollen, einen Berufsberater aufsuchen.

Die richtige Einstellung macht die Arbeit leichter
Zu guter Letzt braucht es aber auch die richtige Einstellung. Mark Twain gibt dafür in seinem Roman «Tom Sawyers Abenteuer» ein wunderbares Beispiel: Tom Sawyer, der Tante Pollys Gartenzaun streichen muss, bringt seine Freunde dazu, die ganze Arbeit für ihn zu leisten – und ihm obendrein noch verschiedene Kostbarkeiten dafür zu geben. Sawyer hat es verstanden, das Anstreichen als äusserst interessante und anspruchsvolle Tätigkeit darzustellen: Keiner seiner Freunde merkte, dass er «arbeitete».

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