Ich verstehe Ihre Frustration. Leider ist das Phänomen weit verbreitet. Positiv ist immerhin, dass Sie Ihre Schwächen jetzt realisieren. Das ist schon ein wichtiger Schritt zu nachhaltiger Veränderung.

Man unterscheidet beim Lernen die vier Stufen «unbewusste Inkompetenz», «bewusste Inkompetenz» (da befinden Sie sich), «bewusste Kompetenz» und «unbewusste Kompetenz»: Zuerst sieht man Schwächen und Fehler nicht, dann beginnt man zu realisieren, was man falsch macht, und mit bewusster Anstrengung gelingt immer öfter eine Verbesserung, die schliesslich automatisiert wird.

Umlernen ist grundsätzlich jederzeit für jedermann möglich. Es gibt aber eine neurobiologische Erklärung, wieso dies nicht so leicht geht. Fachleute vergleichen eingespielte Verhaltensmuster mit stark befahrenen Autobahnen im Gehirn. Die neu gelernten Lösungsstrategien sind zuerst nur schmale Wege. Unter Stress gerät man automatisch immer wieder auf die Autobahn. Die neuen Wege werden erst durch wiederholte Benutzung zu ausgefahrenen Strassen. Also nicht verzweifeln, wenn eine Weiterbildung nicht alles auf einen Schlag verändert – aber dranbleiben.

Auch das Lernen will gelernt sein
Am besten ignoriert man Rückfälle, so wie dies ein gestürzter Skifahrer tut, der, ohne lange Betrachtung der Unfallstelle, weiterfährt. Sobald einem jedoch eine Umsetzung des Gelernten gelingt, sollte man sich symbolisch auf die Schulter klopfen oder sich sofort eine kleine Belohnung, beispielsweise eine kurze Pause oder eine Tasse Kaffee, gönnen. Sofortige Verstärkung festigt nämlich ein Verhalten, Ignorieren löscht es mit der Zeit.

Selbstverständlich kann man von einem Seminar umso mehr profitieren, je effizienter man lernt. Eigentlich sollte die Volksschule nicht nur Wissen und Können, sondern auch Lernstrategien vermitteln. Wir sollten unseren Lerntypus kennen: Lernen wir gut beim Zuhören? Brauchen wir Bilder und Grafiken? Nützt uns Diskutieren? Bleibt uns am meisten, was wir lesen? Grundsätzlich sollten in einem guten Kurs alle Sinne angesprochen werden. Eine angenehme Lernatmosphäre, die Aktivierung der Teilnehmer und Verknüpfungen mit bereits Bekanntem sind weitere wichtige Elemente. Wenn Sie als Seminarteilnehmer die folgenden Tipps beachten, können Sie mehr profitieren:

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  • Stellen Sie Fragen.
  • Bitten Sie um Beispiele aus der Praxis.
  • Nehmen Sie jede Gelegenheit für Rollenspiele oder praktische Übungen wahr.
  • Beteiligen Sie sich aktiv an den Plenums- oder Gruppendiskussionen und reden Sie auch in den Pausen über das Kursthema.
  • Stellen Sie gedankliche Verknüpfungen mit Ihnen bereits Bekanntem her.
  • Bereiten Sie sich vor, wenn Ihnen dafür Material zur Verfügung steht.
  • Verarbeiten Sie das Gelernte nach dem Seminar aufgrund von Notizen und erhaltenen Unterlagen.