Wer an einer Berufsschule unterrichtet, sollte praktische Erfahrungen mitbringen. Das wird von Politikern und Schulen gern unterstrichen. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte immer mehr Ausbildungszerti­fikate vorweisen, bis sie vor eine Klasse stehen können.

An privaten Handelsschulen führt das jetzt zu unschönen Abgängen: Viele Leh­rer der Informatik, Kommunika­tion und Administration, so­genannte IKA-Lehrer, dürfen künftig keine KV-Klassen mehr unterrichten. Der Kanton Zürich setzt eine Bildungsverordnung des Bundes durch, wonach alle Berufsschullehrer über eine höhere Berufsbildung oder einen Hoch­schul­abschluss verfügen müssen.

Für Peter Müller* bedeutet das nach 15 Jahren Lehrerfahrung das Aus, obwohl Schule und Schüler mit seinem Unterricht zufrieden sind. Auch dass er Dutzende Lehrlinge in einer privaten Firma ausgebildet hat und eidgenössisch diplomierter Erwachsenenbildner ist, genügt dem Kanton Zürich nicht. Der lässt sich auch nicht auf ein Anerkennungsverfahren ein, bei dem alternative Qualifikationen berücksichtigt werden könnten.

Andere Kantone sind flexibler

«Eine solche Anerkennung wäre nur im jeweiligen Kanton und an der entsprechenden Schule gültig, was die Mobilität der Lehrperson stark einschränken würde», begründet Hans Jörg Höhener, Leiter der Abteilung Berufsfachschulen und Weiterbildung. Er erwartet, dass sonst Lehrer, denen eine Nachqualifikation zugemutet werden kann, eine Ausnahmeregelung verlangen könnten. Der Kanton Zürich zieht hier die Grenze bei einem Alter von 58 Jahren.

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Andere Kantone sind da flexib­ler. Privatschulen wie die in verschiedenen Kantonen aktive Bénédict oder die Wirtschaftsschule HSO bedauern und kritisieren gegenüber dem Beobachter die restriktive Zürcher Praxis. Sie führe dazu, dass erfahrene und geschätzte Lehrkräfte nicht mehr beschäftigt werden könnten. Bei einzelnen Schulen ist jeder zweite Lehrer betroffen. Innerschweizer Kantone, aber auch Bern und St. Gallen, würden sich hier flexibler zeigen. Bei den staatlichen Schulen ist das offenbar weniger ein Problem, da sie schon seit einigen Jahren keine Lehrpersonen mehr einstellen dürfen, die nicht über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen.

Peter Müller wird dem Lehrerberuf den Rücken kehren und sich verstärkt seiner eigenen Firma widmen. «Ich müsste eine mehrjährige Weiterbildung antreten, um dann weiterhin Handelskorrespondenz und die Anwendung von Word, Excel und Powerpoint unterrichten zu können. Darin sehe ich keinen Sinn.»

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