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Lernziele«Wie löse ich die Blockade?»

Frage: Ich habe mich nach Plan auf ein grosses Examen vorbereitet, und nun geht er nicht auf. Ich ärgere mich derart, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Ich habe nur noch eine Woche Zeit zum Lernen. Wie komme ich aus der Sackgasse?

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Der Erfolg­reiche wird belohnt, Versager müssen 
befürchten, verachtet oder bemitleidet zu werden.
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Indem Sie sich nicht länger vorwerfen, dass Sie einen falschen Lernplan aufgestellt haben. Überlegen Sie sich weiter, was im schlimmsten Fall passieren kann, das mindert die Angst. In der Regel kann man nämlich Prüfungen wieder­holen. Die Welt geht also nicht unter, wenn es das erste Mal schiefgeht. Versuchen Sie, die Energie Ihres Ärgers statt gegen sich selbst und in Zukunftsängste in eine letzte Anstrengung für den Schlussspurt zu investieren. Wenn Sie alles gegeben haben, haben Sie sich nichts vorzuwerfen, auch wenn Sie durchfallen sollten.

Grundsätzlich haben wir alle Probleme mit Fehlern oder Scheitern. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Der Erfolg­reiche wird belohnt, Versager müssen befürchten, verachtet oder bemitleidet zu werden. Deshalb schämen wir uns, wenn wir Fehler machen oder wenn uns etwas misslingt. Obwohl es eine geläufige Redewendung deutlich sagt: «Wo gearbeitet wird, geschehen Fehler.» Oder, um es mit Donald Duck zu sagen: «Fehler sind da, um gemacht zu werden.» Zudem hat 1949 der US-Ingenieur Edward A. Murphy sein berühmtes Gesetz formuliert: «Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.» Mit anderen Worten, Fehler sind das Natürlichste der Welt.

Die Fehler analysieren

Allerdings stimmt die Formel «Nur aus Fehlern wird man klug» nicht. Es gibt nämlich eine wissenschaftliche Fehlerforschung, und die hat gezeigt, dass Einzelpersonen und Institutionen manchmal überhaupt nichts aus Fehlern lernen, sondern diese ständig wiederholen. «Man lernt nicht aus Fehlern, sondern anhand von Fehlern», sagt der Schweizer ETH-Fehlerforscher Theo Wehner. Damit meint er, dass man Fehler analysieren und zur Selbstreflexion nutzen soll.

Das bedeutet, dass wir uns unsere Fehler, unser Scheitern eingestehen und das Versagen nicht wegdiskutieren oder beschönigen. Man soll Fehler aber auch nicht überbewerten. Vor allem darf man sein Selbstbewusstsein nicht auf Unfehlbarkeit und Perfektion abstützen: «Ich habe zwar einen schweren Fehler gemacht, aber ich bin deswegen kein Versager.» Neben der Tatsache, dass man aus der Analyse von Fehlern lernen kann, wie man diese in Zukunft vermeidet, haben sie oft weitere positive Nebenwirkungen. Das Scheitern auf einem vielleicht eingefahrenen Weg zwingt einen, die Perspektive zu wechseln, umzudenken: «So kann es nicht weitergehen.» Das fördert die Kreativität.

Manchmal entstehen aus Fehlern neue Lösungen. Weil der Biologe Alexander Fleming ein Präparat zu lange stehenliess, entwickelte sich der Pilz, aus dem man das lebensrettende Antibiotikum Penizillin gewann. Auch die Evolution beruht auf Fehlern in der Weitergabe von Erbgut. Mutationen, die sich bewährten, ermöglichten eine Entwicklung des Lebens.

Schliesslich gelingt es vielen, den Ärger über eine Niederlage in eine Stärke zu verwandeln – wie Stanislas Wawrinka, der sich ein Zitat von Samuel Beckett auf den Arm tätowieren liess: «Stets versucht. Stets gescheitert. Macht nichts. Versuchs erneut. Scheitere besser.» Wie wir wissen, kann man damit Grand-Slam-Sieger werden.

Tipps zum Umgang mit Fehlern

  • Fehler vermeiden, aber wenn sie geschehen sind, daraus lernen.

  • Das Selbstwertgefühl nicht mit Fehler­losigkeit verknüpfen.

  • Sich immer vor Augen halten: Nur der liebe Gott ist perfekt.

  • Das Scheitern als Chance für einen Perspektivenwechsel nutzen.

Buchtipps

  • Wolfgang Althof (Hrsg.): «Fehlerwelten. Vom Fehlermachen und Lernen aus Fehlern»; VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1999, 272 Seiten, CHF 74.

  • Elke M. Schüttelkopf: «Lernen aus Fehlern. Wie man aus Schaden klug wird»; Verlag Haufe, 2013, 128 Seiten, CHF 11.90.
Veröffentlicht am 22. Juli 2014