Die Autoren: Anja Förster und Peter Kreuz haben beide Wirtschafts­wissenschaften studiert und waren im Management verschiedener Unternehmen tätig. Seit 2002 führen sie in Heidelberg ihre eigene Firma. Das Paar hat sich einen Namen als Business-Querdenker gemacht und mehrere Bücher zum Thema geschrieben. «Alles, ausser gewöhnlich» wurde 2007 mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Ihr neustes Buch «Hört auf zu arbeiten! – Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt» stand 2013 monatelang in den Bestellerlisten.

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Arbeit ist kein Zuckerschlecken!» – genau, wo kämen wir denn hin, wenn Arbeit auch noch Spass machen würde. Oder gar das Leben. In den Köpfen allzu vieler Menschen steckt die feste Überzeugung, dass Arbeit anstrengend ist. Und dass das Wochenende, die Ferien oder das rettende Rentenufer Gott sei Dank nicht fern sind. Augen zu und durch!

Aber ist das wirklich so? Sind das Leben und die Arbeit kein Ponyhof? Und erst recht kein Wunschkonzert?

Wir machen da nicht mit. Wir sind anderer Meinung!

Denn wir treffen immer wieder Menschen, für die die Arbeit und das Leben trotz allen Schwierigkeiten sehr wohl Ponyhof, Zuckerschlecken und Wunschkonzert in einem sind. Die nämlich das, was sie tun, von ganzem Herzen gerne tun. Die sich nie vorstellen könnten, etwas anderes zu tun. Man erkennt sie daran, dass sie dieses Funkeln in den Augen haben …

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Dieses Funkeln haben Menschen immer dann, wenn sie zu hundert Prozent in ihrem Element sind, ganz im Hier und Jetzt, vollkommen involviert, absorbiert, fokussiert auf eine Sache, die sie lieben.

Ja, ja, wir kennen sie schon – die Einwände der «Wir sind Realisten und keine Träumer»-Fraktion: Das ist doch Träumerei. Ein Wunschbild. Arbeit ist eben Arbeit, finden wir uns damit ab. – Einverstanden?

Nein, damit sind wir ganz und gar nicht einverstanden!

Vater Metzger, Sohn Metzger?

Tatsache ist, dass noch nie zuvor so viele Menschen in der westlichen Welt so frei darüber entscheiden konnten, welchen Beruf sie ausüben und wie sie ihr Leben gestalten wollen. Und genau das bereitet vielen enorme Schwierigkeiten. Wie war das früher doch einfach! Der Vater war Metzger? Da wurde der Sohn auch Metzger. Und für den Sohn des Schmieds? Jeg­liche Gedanken, etwas anderes zu tun, als den väterlichen Betrieb weiterzuführen, waren undenkbar. Und für die Töchter war die Berufswahl sowieso bedeutungslos, da der Weg als Hausfrau und Mutter vorbestimmt war.

Heute müssen die jungen Leute, die zum Sprung ins Berufsleben ansetzen, für sich herausfinden: Was will ich überhaupt mit meinem Leben anfangen? Was macht mir Freude? Welche Talente habe ich? Und wie kann ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen?

Mit dieser Freiheit kommt auch der Druck, sich entscheiden zu müssen. Plötzlich ist die Schulzeit zu Ende, und die Überforderung beginnt. Eine KV-Lehre auf der Bank? Das ist doch etwas Solides, sagen die Eltern. Oder doch lieber zur Polizei? Eine Gärtnerlehre? Oder vielleicht versuche ich mein Glück als Model oder Popstar? Alles scheint möglich.

Was fordert mich heraus?

Gleichzeitig haben viele Schulabgänger kaum eine Vorstellung davon, was sie in der Arbeitswelt erwartet. Das verunsichert. Und die leise innere Stimme, die eben noch den eigenen Zukunftstraum geflüstert hat, wird dann sehr leicht vom lautstarken Chor derer übertönt, die es vermeintlich besser wissen.

Aber wer sagt denn, dass der Lieblingsberuf der Eltern und Lehrer oder das, was gerade in den Medien als «Beruf mit Zukunft» propagiert wird, tatsächlich das ist, was einen glücklich macht? Unser Ratschlag an alle Suchenden: Folge deinem Herzen und betrachte alle Ratschläge kritisch – auch diesen hier.

Alles beginnt damit, dass wir uns die Frage stellen: Was inspiriert mich, fordert mich heraus und lässt mich wachsen? Antworten finden sich in drei Bereichen.

Erstens: Talent

Eine Tätigkeit muss zu mir passen, also muss eine natürliche Begabung dafür bereits vorliegen. Tun wir etwas weitgehend talentfrei, kann es uns zwar trotzdem Spass machen, aber niemals so viel Freude, dass sich das Funkeln in den Augen einstellt. Uns überrascht immer wieder, dass nur die wenigsten Menschen überhaupt wissen, welche Talente in ihnen schlummern. Das mag daran liegen, dass wir das, was wir gut können, für selbstverständlich nehmen und nicht erkennen, dass genau das ein wertvolles Geschenk ist, das richtungsweisend für die Berufswahl sein sollte.

Zweitens: Passion

Talent allein reicht nicht. Wir müssen das, was wir tun, auch von Herzen gern machen. Talent und Leidenschaft müssen zusammentreffen. Warum das so wichtig ist, lässt sich etwa bei The Voice of Switzerland, DSDS oder ähnlichen Freakshows im Fernsehen beobachten: Es gibt Menschen, die mit voller Leidenschaft singen, tanzen oder sich anderweitig auf der Bühne produzieren, aber nicht das geringste Talent dafür haben. Schlechte Idee! Aber auch umgekehrt funktioniert es nicht. Mit Talent, aber ohne Leidenschaft. Für unser berufliches Glück ist es deshalb ganz entscheidend, zu erkennen, was unsere Talente sind und wofür wir brennen.

Drittens: Resonanz

Das Funkeln in den Augen haben Menschen immer dann, wenn sie etwas tun, das nicht nur für sie selbst, sondern auch für die Leute um sie herum einen Unterschied macht. Auch im stillen Kämmerlein mag es freudvolle Momente fruchtbaren Schaffens geben. Aber das ist nicht das, was wir meinen. Wir meinen eine Tätigkeit, die von Bedeutung sowohl für einen selbst als auch für andere ist.

Also: Erkenne deine Talente und deine Passion und finde ein Spielfeld, wo genau das geschätzt wird. Viele Menschen haben bei der Arbeit kein Funkeln in den Augen und werden es auch nie bekommen, weil sie sich bei der Wahl ihres Spielfelds vertan haben. Wem es aber gelingt, so eine Tätigkeit für sich zu finden, die für das Funkeln sorgt, wer es schafft, diese Tätigkeit zu kultivieren und auf Dauer in sein Leben einzubauen, der wird ein absichtsvolles, erfülltes, im besten Sinne reiches Leben führen. Darum geht es!

«Das will ich ja auch!» Wer das jetzt sagt, dem liefern wir eines garantiert nicht: Das siebenstufige Patentrezept mit eingebauter Erfolgsgarantie. Das gibt es nicht. Aber wir haben sehr wohl einen Navigationshinweis: Suche an zwei Orten – innen und aussen.

Innen: Es beginnt damit, dass ich Zeit mit mir selbst verbringe und nachdenke. Wann gibt es in meinem Leben Momente oder auch längere Zeiträume, wo ich dieses Funkeln in meinen Augen habe? Wo ich das Gefühl habe, voll und ganz in meinem Element zu sein? Diese Momente gilt es zu identifizieren und festzuhalten, in Form einer Liste oder eines Arbeitstagebuchs. Es geht also darum, in Kontakt mit mir zu kommen, meinen wahren Interessen, meinen echten Gefühlen, mit den grundsätzlichen Wahrnehmungen, die mein Herz höherschlagen lassen.

Aussen: Probiere Neues aus. Lerne neue Menschen, Orte und Tätigkeiten kennen. Erforsche die Welt mit Neugier und Wagemut. Lass dich auf ungewohnte Denkweisen ein und weite systematisch deine Grenzen aus. Das wird dich automatisch in neue Situationen bringen, die dir spürbar mehr bedeuten als andere Momente.

Dort, wo Innen und Aussen zusammenpassen, werden deine Augen funkeln. Wir wünschen dir nichts mehr als das!