Polymechaniker, Modellbauer oder doch lieber Schreiner? Der 20-jährige Marc Wyler entschied sich für die Lehre des Polymechanikers. «Ich habe die richtige Wahl getroffen, der Beruf entspricht voll meinen Fähigkeiten», strahlt er. Nicht allen Jugendlichen fällt die Berufswahl so leicht.

Deshalb bringt das Projekt Rent-a-Stift (Miete dir einen Stift) Lehrlinge ins Klassenzimmer. In Zweierteams erzählen sie den Oberstufenschülern von ihrer Lehre, schildern ihren Alltag und haben fast immer eine Antwort auf offene Fragen. Auch spielerische Einlagen wie ein Quiz oder ein kurzes Theaterstück gehören zum Programm. Rent-a-Stift ist anlässlich der nationalen Lehrstellenkampagne vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ins Leben gerufen worden.

Stifte stellen ihren Beruf vor
Bei der Auswahl der Lehrlinge für das Projekt wird darauf geachtet, dass sie aus den unterschiedlichsten Berufen kommen, damit die Schülerinnen und Schüler einen guten Überblick über die verschiedenen Lehren bekommen.

Oftmals versteifen sich Jugendliche bei der Berufswahl mangels Informationen auf einen Job, der überhaupt nicht ihren Interessen und Neigungen entspricht. Einer der Hauptgründe des Lehrabbruchs ist denn auch die falsche Berufswahl. In der Schweiz wird schätzungsweise jede vierte Lehre vorzeitig abgebrochen.

Der Polymechaniker Marc Wyler hat als Botschafter seines Berufs vier Schulklassen im Kanton Bern besucht. Er ist inzwischen im dritten Lehrjahr und geht an die Gewerblich-industrielle Berufsschule Bern (GIBB). Rent-a-Stift wird an der GIBB seit 2002 mit Erfolg durchgeführt.

Die Projektleiterin Theres Hugi-Gall ist überzeugt, dass ein wichtiges Plus von Rent-a-Stift der Austausch von Jugendlichen im fast gleichen Alter ist. «Sie sprechen die gleiche Sprache wie die Schülerinnen und Schüler und können Hemmungen bei ihnen schneller abbauen.» Letztes Jahr stellten 26 Lehrlinge der GIBB an 65 Schulen in der Region Bern-Mittelland die verschiedenen Berufslehren vor. Dieses Jahr sind 20 Auszubildende im Einsatz.

Die «Vorzeige-Stifte» werden in der Regel zwei Tage lang geschult. Sie lernen, eine Präsentation aufzubauen, und proben in der Gruppe den Ernstfall. «Hoffentlich hört mir die Klasse zu, ging mir bei meinem ersten Einsatz durch den Kopf», erinnert sich Marc Wyler.

Seine Sorge war unbegründet. Die Schülerinnen und Schüler hörten gebannt zu. «Wir wurden mit Fragen nur so gelöchert», sagt Wyler. Ein kleiner Auszug: Wie viele Bewerbungen musstet ihr schreiben? Wird man als Lehrling ernst genommen? Warum ist die Schnupperlehre so wichtig? Kann ich als Frau auch einen Männerberuf erlernen?

Mehr Frauen in technische Berufe
Eines der Ziele von Rent-a-Stift ist die Gleichstellung der Geschlechter. Junge Frauen wählen aus einem wesentlich kleineren Berufsspektrum aus als ihre männlichen Kollegen. In der gesamten Informations- und Medientechnologie beispielsweise liegt der Frauenanteil derzeit bei nur knapp zehn Prozent.

«Die Schülerinnen und Schüler sollen den Schritt wagen, eine Ausbildung zu machen, die für ihr Geschlecht untypisch ist», sagt Esther Balliana Wille vom Amt für Berufsbildung des Kantons Luzern. Sie koordiniert Rent-a-Stift in der Zentralschweiz. Dort wird nur ausgewählt, wer in einer Ausbildung ist, die für sein Geschlecht untypisch ist. Seit 2001 haben 177 Lehrlinge 885 Einsätze absolviert.

Rent-a-Stift hat sich als optimale Ergänzung zum Berufswahlunterricht bewährt. In bisher elf Kantonen, von Basel bis Freiburg, sind engagierte Jugendliche unterwegs. Die Leiterinnen Esther Balliana Wille und Theres Hugi-Gall sind sich einig: «Das Projekt ist für alle Beteiligten eine Bereicherung und zeigt zudem, dass die Berufslehre eine nicht zu unterschätzende Ausbildung darstellt.»

Informationen zu Rent-a-Stift

  • Näheres zum Projekt: www.bbt.admin.ch (unter «Service», «Suchen» den Begriff «Rent-a-Stift» eingeben)
  • Kontakte und Infos des Amts für Berufsbildung des Kantons Luzern: www.beruf.ch (unter «Suche» den Begriff «Rent-a-Stift» eingeben)


Informationen für die Lehrstellensuche

  • Lehrstellenbörse aller Kantone: www.lehrstellen.ch
  • Projekt, das sich für die Gleichstellung der Geschlechter in der Berufsbildung einsetzt: www.16plus.ch
  • Tipps und Links für die Berufswahl: www.berufsberatung.ch
  • Informationsveranstaltungen verschiedener Branchen: www.berufsvorbereitung.ch
  • Auf der Netzseite des Kantonalen Gewerbeverbands Zürich (KGV) können Schüler die Anforderungen der Lehrstelle mit ihrer schulischen Vorbildung vergleichen: www.kgv.ch