Von Sommer bis Herbst 2007 hat die Primarlehrerin Karin Fisli aus Kerzers FR ihrer Klasse täglich einen Begriff mit Schweiz-Bezug an die Wandtafel geschrieben. Die Dritt- und Viertklässler mussten dazu Erklärungen aufschreiben – was sie nach bestem (Halb-)Wissen und Gewissen taten. Die Ergebnisse hat Fisli in besagtem Band zusammengestellt.

Mit der Forderung nach mehr politischer Bildung in der Schule hat die Idee aber nichts zu tun. «Ich war auf der Suche nach einem Morgenritual», sagt Karin Fisli. Ihr Mann hatte als Kind selbst bei einem ähnlichen Projekt mitgewirkt («Ein Berner Schädel ist nicht fon Plastigg», Murten 2004), und es zeigte sich: Die Fähigkeit, komplizierte Dinge einfach zu erklären – und umgekehrt –, fasziniert auch heute noch.

Hintergründige Schreibfehler

Das Buch gewährt einen naiven, aber liebenswerten Blick auf Heimat und Politik. Im kindlichen Verständnis ist Helvetia «die Schweizer Mutter» und der Bundesrat «so etwas wie ein König». Wahlen haben «etwas mit der SVP zu tun», Abstimmungen gibt es, «wenn der einte das gleiche will, der andere nicht». Und im Bundeshaus «giebt es ein man wo gerüchte sagt und so zeug».

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Ganz hinten finden sich die offiziellen Definitionen. Jene der Kinder sind allerdings weit hintergründiger. Karin Fisli hat alle Rechtschreibefehler stehenlassen. Denn stellenweise birgt der orthographische Freistil sogar einen tieferen Sinn: Der Bundespräsident, schreibt ein Schüler, ist wohl «etwas endliches wie der Bundesrat».

Karin Fisli: «Wilhelm Tell hat die Schweiz entdeckt – Kinder erklären die Schweiz»; Bezugsquellen und ­weitere Informatio­nen unter: www.kinderbegriffe.ch