Im 18. und 19. Jahrhundert war es normal, dass Lehrer ihre Schützlinge züchtigten. So berichtet ein Pfarrer Brennwald aus Kloten 1772: «In den Schulen werden mit döppen und ruthenstreichen abgestraft alle fehler, so die Schüler (…) begehen.» Wer raufte, spuckte oder log, wurde geschlagen, geohrfeigt, auf Hintern und Hände gepfitzt – die Rute war das Zepter der Schulmeister. «Steisstrommler» wurden sie um 1900 spöttisch genannt.

Bis in die 1960er Jahre galten Ohrfeigen, Tatzen und An-den-Haaren-Reissen als angebracht. Es musste 1968 werden, bis dies in Frage gestellt wurde. Aber auch danach zeigten sich nicht alle Pädagogen lernfähig. «Noch in den 70er und 80er Jahren gab es oft Kopfnüsse», weiss Jürg Rüedi, Autor des Buchs «Disziplin in der Schule». Erst 1993 wurden Körperstrafen definitiv aus den Schulstuben verbannt, nachdem das Bundesgericht 1991 Ohrfeigen als Tätlichkeit definiert hatte.

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Die Schul

1 ist eine Werkstatt/ in welcher die jungen Gemüther zur Tugend angewehnet werden; sie wird abgetheilt in Classen
Der Schulmeister 2 sitzt auf dem Lehrstul;
3 die Schüler
4 auf Bänken;
5 jener lehret, diese lernen.
Etliches wird ihnen vorgeschrieben mit der Kreide an der Tafel. 6
Etliche sitzen am Tische, und schreiben: 7
Er verbessert 8 die Fehler.
Etliche stehen, und sagen her, was sie gelernet. 9
Etliche schwatzen, 10 und erzeigen sich muthwillig und unfleissig: die werden gezüchtigt mit dem Stecken 11 und der Ruthe 12

Aus: Hoc est: omnium principalium in mundo rerum, & in vita actionum, pictura & nomenclatura (= Joh. Amos Comenii Orbis sensualium picti = Der sichtbaren Welt. 1), Nürnberg, 18. Jahrhundert, Bd. 1, S. 198

Quelle: Wikipedia