Anfangs war noch un­bestritten, dass die Schule «der Ausbreitung der Ehre Gottes» zu dienen hat, wie es in der Zür­cher Schulordnung von 1778 heisst. Schüler beteten Psalmen herunter, die Schule unterstand der Kirchgemeinde, der Pfarrer war der Chef. Das änderte sich, als nach 1835 die staatliche Volksschule errichtet wurde. Ein Schritt zur Verweltlichung, aber das Kruzifix blieb hängen, die Bibelstunde Pflicht.

Schon damals stellte sich die Frage: Was tun mit «Fremdgläubigen»? Der Zwist wurde vor 100 Jahren gemil­dert: Katholische Kinder in refor­mier­ten Kantonen und umgekehrt konnten sich vom Bibelunterricht entbinden lassen, jüdische Kinder von Arbeiten am Sabbat. Bei der jetzigen Integration der Muslime gilt: kein Schwimmdispens, aber auch kein Kopftuchverbot.

Zur Entspannung trug auch bei, dass Religion vielerorts Freifach wurde. ­Neuerdings ist sie oft wieder obligatorisch, aber als neutrale Religions­kunde. Damit ist die religiöse Erziehung dort, wo sie sein soll: nicht an der Schule, sondern bei Eltern und Geistlichen.