Lehrpersonen hätten eine Vorbildfunktion – wer hätte das gedacht –, aber Vorschriften brauche es nicht. Das sahen Schulbehörden früher anders. 1886 legten sie genau fest, welches Bild Lehrerinnen und Lehrer öffentlich ­abzugeben hatten. Frauen war verboten: «Damenpumphose, Rock mit Schlitz, der die Knöchel entblösst, Verlängerung der Turnüre (Gesässpolster) über 10 Zoll». Männern war untersagt: «Entfernen eines abnehmbaren Kragens resp. Halsbinde vom Oberhemd, aufgeknöpfte und aufgerollte Hemdsärmel, kurzgeschorenes Haar». 1915 bestimmte ein Anstellungsreglement für Lehrerinnen: «Bunte helle Bekleidung ist verboten» und «unter keinen Umständen dürfen die Haare gefärbt werden». Der Rock ist «nicht kürzer als zwei Zoll (5 cm) über die Knöchel» zu tragen, «mit mindestens zwei Unterröcken».

Die Schicklichkeitsgrenze hat sich seither erweitert – aber es geht noch ums Gleiche: Die Garderobe der Lehrpersonen ist eine Berufskleidung. Zum Beruf gehört, Kompetenz, Seriosität und Autorität auszustrahlen – was bauchfrei in Flip-Flops einfach schwierig ist.