Die Männer debattierten im 19. Jahrhundert, ob die Frau als Lehrerin tauge. «Es fehlt dem weiblichen Geschlechte in seiner Bildung durchgehends an Gründlichkeit und Tiefe» sowie an «geistiger Selbständigkeit», meinte Sekundarlehrer Chris­tian Blatter 1847. Ein Gutachter der Berner Schulsynode 1866 befand: «Lehrerinnen sind leicht reizbar und launenhaft, bald zu streng und bald zu lax. (…) Selbst in den Elementarklassen ist das feste, konsequen­te Wesen des Mannes dem schwachen weiblichen Gefühlswesen vorzuziehen.» Johann Ludwig Spyri fand 1873, es gebe Stufen, «auf welchen das Weib nur ausnahmsweise, wenn es mit männlichem Geiste begabt ist, lehrend wirken kann». ­Sobald begriffliches Denken beginne, «wird die männliche Kraft die weibliche überflügeln». Überflügelt wurde Pfarrhelfer Spyri von seiner Tochter: Emily Kempin-Spyri studierte als erste Frau in Zürich Jus, war erste promovierte Juristin Europas und später – Hochschul­dozentin.

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