Endlich Schulferien – und erst noch herrlichstes Badewetter. Was liegt da näher als «sun, fun and easy going»? Prompt klingelt das Telefon: «Kommst du mit an den See?», fragt die Freundin. Lange Pause, keine Antwort. Dann, ganz langsam: «Nein, ich muss lernen.»

Dieses Szenario könnte jedem Jugendlichen die Laune verderben. «In den Ferien Schulstoff aufzuarbeiten sollte eine Ausnahme bleiben», betont Rolf Nyfeler, Psychologe in der Zürcher Lernpraxis. Und Rektor Alex Eichmann von der Schulleitung der Stadt Luzern pflichtet ihm bei: «Die Schule ist heute eine strenge Sache, sowohl vom sozialen Umgang wie auch vom Leistungsdruck her.» Die Jugendlichen bräuchten deshalb die Ferien unbedingt zur Erholung.

Doch wenn es um ein bestimmtes Ziel geht – Gymiprüfung, Probezeit, Berufsmatura, gefährdetes Weiterkommen in die nächste Klasse oder bessere Voraussetzungen für die Lehrstellensuche –, kann der Biss in den sauren Apfel trotzdem Sinn machen. Es gibt aber Möglichkeiten, den Apfel ein bisschen zu versüssen.

Für ein Computercamp oder einen dreiwöchigen Sprachkurs in Frankreich etwa werden sich die meisten Jugendlichen gewinnen lassen. Vor allem dann, wenn auch ein spannender Ausgleich auf dem Programm steht: Französisch büffeln am Morgen, am Nachmittag Surfen, Reiten oder Beachvolleyball. Wichtig ist, dass die Lektionen dem Niveau der Jugendlichen angepasst sind. «Bei Über- oder Unterforderung bringt es nichts», warnt Rektor Eichmann. Auch bei massivem Widerstand der Jugendlichen sollten die Eltern auf diese Idee verzichten. «Sonst», so Psychologe Nyfeler, «ist es schade ums Geld.»

Für Jugendliche ab 17 Jahren – bei Mädchen schon ab 15 – können auch Lerncamps unter Kollegen sinnvoll sein, findet der Lernpsychologe. Eine Woche im Ferienhaus mit knallharten Regeln: Wer nicht mindestens eine Stunde gelernt hat, darf nicht hinaus. «Das funktioniert aber nur, wenn die Jugendlichen das selber wollen und die Regeln und Bestrafungen vorher gemeinsam abgemacht haben.»

Die Pubertät ist grundsätzlich nicht die günstigste Zeit fürs Lernen. Alles andere scheint in dieser Phase wichtiger zu sein. Kein Wunder, ist dieser Lebensabschnitt für viele Eltern eine echte Herausforderung. Wenn sich die aufmüpfigen Pubertierenden von den Eltern zu keinerlei Disziplin mehr verleiten lassen, kann ein Nachhilfelehrer vorteilhaft sein.

Manchmal hilft der Computer
Oft braucht es gar nicht viel, um bei Schulbeginn à jour zu sein. «Ich empfehle meinen schwachen Schülern, in den letzten paar Tagen der Ferien die Theoriehefte nochmals durchzuarbeiten», sagt der Luzerner Sekundarlehrer Paul Baumgartner. Und für einen alternativen Zugang, der vielleicht mehr Spass macht, gebe es heute sehr gute Lernsoftware. «Ohne Kontrolle besteht aber die Gefahr, dass die Jugendlichen nur die Spiele in den Programmen machen und das Lernen auslassen.»

Daniel Ammann, der an der Pädagogischen Hochschule Zürich Lernsoftware testet, rät ebenfalls zur Vorsicht: «Man kann nicht etwas Beliebiges kaufen. Es ist sehr schwierig, das richtige Niveau zu treffen.» Als Freizeitbeschäftigung sehr beliebt sind bei Jugendlichen die so genannten Lernadventures wie zum Beispiel «Geografikus» oder «Biolab» von Heureka-Klett. Laut Ammann allerdings mit ungewissem Lerneffekt: «Wenn jemand vor allem den Spielteil spannend findet, holt er sich zwar im Nachschlageteil die nötigen Infos, um weiterzukommen. Aber das Ganze bleibt dann sehr oberflächlich.» Was den klassischen Schulstoff anbelangt, sind die didaktisch gut gemachten Programme laut Ammann oft nur sinnvoll, wenn sie in den Unterricht eingebettet sind. Da sollte man sich unbedingt mit dem Lehrer oder der Lehrerin absprechen.

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Lernen kann man überall
Und wieso nicht den Schulstoff einmal ganz «vergessen»? Lernen heisst nicht nur Zahlen beigen und Wörter büffeln. Auch mit Lamas durchs Aletschgebiet trecken oder mit anderen Jugendlichen in einem Tipidorf leben, bedeutet Lernen – wertvolles soziales Lernen und Persönlichkeitsreifung. Nicht nur im Leben, auch in der Schule kommt man damit weiter.

Buchtipps

Nicole Bisig und Walter Noser: «Gut begleitet durch die Schulzeit». Beobachter-Buchverlag, 2004, 240 Seiten, 34 Franken, erhältlich beim Beobachter-Buchverlag


Thomas Feibel: «Die beste Lern-Software. Von Schülern getestet – von Lehrern empfohlen»; Rowohlt, 2002, Fr. 18.10