Mit geschwollener Bubenbrust marschierte ich an meinem ersten Schultag nach Hause und verkündete meiner Mutter, dass Herr Lehrer Rittmeyer Hausaufgaben, also richtige Uufzgi, verordnet habe. Vor lauter Freude auf die bevorstehende Herausforderung vergass ich den Zvieri und das Spielen, raste schnurstracks in mein Zimmer, packte den Thek aus, setzte mich ans Pult und kritzelte voller Elan schöne A und B in mein Schreibheft. Geschäftig bat ich um absolute Ruhe - wie ein Grosser.

Nach ein paar Wochen kam ich aber nicht mehr jeden Tag lernhungrig nach Hause, dachte auch wieder an den Zvieri und wollte vor dem Erledigen der Hausaufgaben noch ein bisschen Kasperliplatten hören. Dann fragte meine Mutter jeweils: «Häsch d Uufzgi scho gmacht?» Seit damals hörte ich immer wieder das Sprichwort «Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen». Weil ich eins und eins bereits zusammenzählen konnte, war mir eines schnell klar: In der Welt der Grossen sind Arbeit und Vergnügen zwei Paar Schuhe. Und so erledigte ich fortan meine Aufgaben widerwillig und schluderte sie hin, um mich möglichst schnell dem Vergnügen widmen zu können.

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert - nicht aber besagtes Sprichwort, obwohl es dringend einer Reform unterzogen werden sollte: Einige Kinder arbeiten nämlich am besten gleich nach der Schule, andere hingegen brauchen erst einmal eine Pause. Abc-Schützen, die ihren Lern- und Arbeitsrhythmus selbst herausfinden können und sich nicht stur an ein blödes Sprichwort halten müssen, lernen besser - und sie lernen darüber hinaus auch noch etwas über ihren Charakter.

Vielen Erwachsenen war diese Selbsterfahrung nicht vergönnt. Ohne auf ihre innere Stimme zu achten, leben sie auch heute diszipliniert nach dem Grundsatz, dass zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen kommt. Sie merken nicht, dass sie dadurch Gefahr laufen, in ihrer Arbeit nichts anderes als Plackerei zu sehen. Und sie vergeben sich die Chance, nicht nur die Freizeit heiter zu gestalten, sondern auch die Arbeit.

Ruhe am Arbeitsplatz

Wer so funktioniert, überträgt seine Einstellung auf die Kinder, die dann dauernd ermahnt werden müssen, die Hausaufgaben zu machen. Doch Kinder brauchen das nicht, denn dass Hausaufgaben erledigt werden, ist ihre Sache, nicht die der Eltern. Hausaufgaben sollen den Lernprozess unterstützen und die Selbständigkeit fördern. Natürlich müssen Eltern für gute Rahmenbedingungen sorgen: Ruhe und ein Platz zum Arbeiten sind wichtig, manchmal ein aufmunterndes Wort und gelegentlich Unterstützung.

Das Beste, was Eltern zu den Hausaufgaben beitragen können, sind ehrliche Anteilnahme und Interesse für das, was die Kinder in der Schule lernen müssen. So motivieren sie ihre Sprösslinge zu freudigem Arbeiten und Lernen. Ich selber brauchte Jahre, um dabei wieder Spass zu finden und die Schaffensfreude wiederzuentdecken, die den damals siebenjährigen Walterli den Zvieri vergessen liess.

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Tipps für Schüler

Mit Methode und kleinen Tricks fällt Lernen leicht.

  • Richte dir einen festen Arbeitsplatz ein, der hell und freundlich ist. Halte Ordnung: Alle Arbeitsmaterialien und Bücher sollten griffbereit sein.

  • Sorge dafür, dass dich während des Lernens niemand stört. Verzichte auch auf laute Musik, denn das mindert deine Konzentration.

  • Finde den Zeitpunkt deines täglichen Leistungshochs heraus und lerne möglichst immer zur selben Zeit.

  • Lege dir einen Lernplan zurecht, wo du deine Ziele festhältst. Was du erledigt hast, kannst du abhaken – so behältst du den Überblick.

  • Beginne mit zehn bis fünfzehn Minuten «Aufwärmzeit», während der du etwas Leichtes wiederholst.

  • Lerne immer nur kleine Einheiten. Nach einer halben Stunde solltest du eine kurze Pause einlegen, nach anderthalb Stunden brauchst du unbedingt eine längere Erholungspause.

  • Vergiss nicht, dich selbst zu belohnen, wenn du ein gutes Resultat erreicht hast: Ein «Schöggeli» versüsst den geleisteten Aufwand.