Beim Wort Kindergarten leuchten die Augen des vierjährigen Moritz – bald wird er zu den «Grossen» gehören. Anderseits, ein bisschen mulmig ist ihm schon. Wird es ihm gefallen? Ist sein Freund Florian aus der Spielgruppe auch in seiner Kindergartenklasse? Darf er nach Hause gehen, wenn er traurig ist? Auch seine Eltern machen sich Gedanken. Ist Moritz schon reif genug? Wird er Freunde finden, oder werden ihn die anderen Kinder ärgern?

Der Eintritt in den Kindergarten bedeutet für Eltern und Kinder eine Neuorientierung. Wie Mädchen und Buben diese Phase bewältigen, hängt von ihrer Entwicklung, ihrer Persönlichkeit und ihren bisherigen Erfahrungen ab. Auch pädagogische und organisatorische Aspekte sind wichtig, damit sich die Kleinen in ihrem Kindergarten wohl fühlen. Folgendes sollten Sie wissen, um als Eltern gerüstet zu sein:

1. Ab wann darf mein Kind in den Kindergarten?

Kinder, die vor einem bestimmten Stichtag – im Kanton Zürich beispielsweise ist das der 30. April – das vierte Altersjahr vollendet haben, können auf Beginn des nächsten Schuljahres in den Kindergarten eintreten. Auskunft über die kantonale Stichtagsregelung erhalten Sie bei der örtlichen Schulpflege.

2. Gibt es eine Kindergartenpflicht?

Jeder Kanton hat eigene Bildungsgesetze und legt fest, ob der Kindergartenbesuch freiwillig oder ein, allenfalls sogar zwei Jahre obligatorisch ist. In der ganzen Schweiz gilt jedoch das Recht auf einen Kindergartenplatz, zumindest im letzten Jahr vor der Schule. Ob es in Ihrem Kanton ein Kindergartenobligatorium gibt, erfahren Sie bei der Schulpflege Ihrer Wohngemeinde.

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3. Was bedeutet der Ausdruck «Kindergartenreife»?

Ihr Kind sollte in seiner Persönlichkeit so weit entwickelt sein, dass es eine Trennung für einige Stunden von seinen Bezugspersonen verkraften kann. Ausserdem sollte Ihr Kind so selbstständig sein, dass es alleine die Toilette aufsuchen, sich an- und ausziehen und seine Bedürfnisse mitteilen kann. Wenn Sie bezüglich der Reife Ihres Kindes unsicher sind, sollten Sie sich an den Kindergarten oder Ihren Kinderarzt wenden.

4. Kann ich die Kindergartengruppe auswählen?

Die Gruppeneinteilung liegt bei der Kindergartenkommission und vielerorts auch beim Kindergartenpräsidium. Kriterien können Wohnort, Quartier oder Strasse sein. Auch eine ausgeglichene Verteilung von Jungen und Mädchen kann eine Rolle spielen. Wünsche nach einer Zuteilung zu einer bestimmten Gruppe können schriftlich mit Begründung bei der Kindergartenkommission eingereicht werden.

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5. Warum ist der Besuch des Kindergartens wichtig?

Hier wird Ihr Kind in seiner Entwicklung ganzheitlich gefördert. Ziel ist, Motorik, Sprache, Gedächtnis- und Merkfähigkeit, Neugier, Experimentier- und Wissensdrang zu fördern. Der Schwerpunkt liegt in der Vermittlung von Sozialkompetenz. Im Kontakt mit Gleichaltrigen lernen die Kinder, Rücksicht zu nehmen, sich durchzusetzen und angemessen mit Konflikten und Frustrationen umzugehen. Das Lernen in der Gruppe befähigt die Kinder zum sozialen Miteinander, bei dem Werte wie Toleranz und Hilfsbereitschaft im Vordergrund stehen.

6. Bleibt genug Zeit zum Spielen?

Kinder lernen durch das Spiel. Hier können sie sich erfahren, beweisen, in andere Rollen schlüpfen und sozial aktiv werden. Spielen ist in dieser Altersstufe gleichzusetzen mit Lernen oder Arbeit. Die Kinder bekommen zudem jeden Tag die Möglichkeit zum Freispiel: Hier bestimmen sie selbst Spielort, Spielart, Spielkollegen und Spielverlauf.

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7. Wird im Kindergarten miteinander gegessen?

Essen hat im Kindergarten einen wichtigen Stellenwert, sei es als freies Znüni oder gemeinsame Essenspause. Sollte Ihr Kind wegen einer Allergie bestimmte Sachen nicht essen dürfen, besprechen Sie das mit der Kindergärtnerin.

8. Findet mein Kind im Kindergarten Trost, wenn es traurig ist?

Kinder haben ein feines Gespür für die Nöte der anderen. Ist Ihr Kind traurig, gibt es sicher Spielkollegen aus der Gruppe, die sich um Ihr Kind kümmern. Die Kindergärtnerin wird auf jeden Fall versuchen, ihm emotional Rückhalt zu geben, ihm Geborgenheit zu vermitteln und es zu trösten.

9. Wo können sich Eltern bei Problemen mit der Kindergärtnerin hinwenden?

Es ist wichtig, dass Sie zuerst ein Gespräch mit ihr vereinbaren, das Problem klar ansprechen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Sollten die Differenzen nicht geklärt werden können und möchten Sie sich über die Kindergärtnerin beschweren, können Sie dies bei der Kindergartenkommission oder der Schulpflege tun.

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10. Kann ich mein Kind einfach zu Hause behalten, wenn es keine Lust hat oder wir früher in die Ferien fahren?

Sobald Ihr Kind in den Kindergarten aufgenommen ist, ist es zum regelmässigen Besuch verpflichtet. Eine Abmeldung, auch nur für einige Tage, ist nicht vorgesehen. Genau wie in der Schule kennen einige Kantone so genannte Jokertage: Das sind meist drei bis fünf frei wählbare Tage, die während des Schuljahres ausserhalb der Ferien bei der Schulpflege beantragt werden können. Unerlaubtes Fehlen kann eine Busse zur Folge haben.

Erleichtern Sie Ihrem Kind den Einstieg

  • Melden Sie Ihr Kind zum vorgegebenen Termin im Kindergarten an. Die Einzelheiten werden Ihnen dort mitgeteilt, oder Sie erfahren Näheres beim Schulamt Ihrer Wohngemeinde.

  • Statten Sie mit Ihrem Kind dem Kindergarten vor dem Eintritt einen Besuch ab und nehmen Sie Kontakt mit der Kindergärtnerin auf.

  • Wählen Sie den sichersten Weg von Ihrer Wohnung zum Kindergarten und wieder zurück. Begleiten Sie Ihr Kind mehrmals und zeigen Sie ihm überall, wie es sich im Verkehr verhalten muss.

  • Besuchen Sie den ersten Elternabend kurz vor oder nach der Anmeldung. Hier bekommen Sie wichtige Informationen.

  • Informieren Sie den Kindergarten über allfällige Krankheiten und Allergien Ihres Kindes.

  • Zeigen Sie eine positive Einstellung zum Kindergarten und freuen Sie sich mit Ihrem Kind auf diesen Schritt.

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