Beobachter: Bald sollen schnell ausgebildete Quereinsteiger vor den Schulklassen stehen. Bleibt da nicht die Qualität des Unterrichts auf der Strecke?
Willi Stadelmann
: Die Kantone präsentieren diese ­Massnahme, als ob sie neu sei. Die Pädagogischen Hochschulen bieten aber schon lange Ausbildungen an, mit denen Quereinsteiger ein schweizerisch anerkanntes Di­p­lom erhalten. Die Erfahrung zeigt, dass dieses Modell sehr fähige Lehrer hervorbringt.

Beobachter: Also ist diese Notmassnahme in Ihrem Sinn?
Stadelmann: Grundsätzlich ja. Auch wir wollen den Zugang für Quereinsteiger noch mehr fördern, aber nicht mit qualitativ bedenkli­chen Schnellbleiche-Ausbildun­gen, die nur kantonal an­erkannt sind. Wir Rektoren der Päd­a­gogischen Hochschulen sind nicht bereit, solche anzubieten.

Beobachter: Warum nicht?
Stadelmann: Schnellbleichen führen zur Zwei-Klassen-Lehrerschaft: auf der einen Seite gutausgebildete und schweizerisch anerkannte Lehrpersonen, auf der anderen ungenügend ausgebildete, nur kantonal anerkannte. Letztere würden in der Schulpraxis Schwierigkei­ten haben – und bei den Eltern Akzeptanzpro­bleme. Schnellbleichen wür­den dem Ansehen des Leh­rer­berufs schaden. Und sie ­würden die heutige Ausbildung ­unterlaufen und die Entwicklungen der letz­ten Jahre hin zu schweizerisch anerkannten Lehr­diplomen zunichtemachen.

Beobachter: Haben Sie eine bessere Lösung?
Stadelmann: Bei den Zielen decken wir uns mit der Absicht der Bildungs­direktoren. Aber nicht so, dass wir Studierende mit qualitativ ungenügenden Schnellstudien anlocken. Sondern indem wir die bestehenden Studiengänge noch attraktiver gestalten und eine Ausbildung anbieten, die es den Studierenden erlaubt, bald in die Praxis zu gehen und so einen Beitrag zur Linderung des Lehrpersonenmangels zu leisten.

Beobachter: Die Ausbildung für Quereinsteiger beliebter machen – und schon ist der Lehrermangel behoben?
Stadelmann: Nein, sicher nicht, das ist nur eine Massnahme. Und wir wissen heute nicht, wie erfolgreich sie sein kann. Es braucht weitere Massnahmen, wie längere Praxiseinsätze während des Stu­diums. Zudem muss man das Ansehen von Lehrperso­nen in der Gesellschaft verbessern – und die Arbeitsbedingungen.