Mit 30 Jahren nochmals in die Flötenstunde: Da werden dunkle Kindheitserinnerungen wach. Der «Spöizchnebel» pfiff immer anders als geplant, die Lehrerin hatte einen drohenden Mahnfin­ger und eine viel zu hohe Stimme. Und das Vorspielen? Ganz, ganz schlimm. Hitzewallungen schon beim Erinnern. Wie das heute wohl aussieht?

Ab ins Schulzimmer. Es riecht nach Kreide, nassem Schwamm und Turnbeutel. Bei Musiklehrerin Katharina Koch wird «S Krokodil» der Schlieremer Chind ge­übt. Sie klopft den Takt, vier Augenpaare blicken konzentriert aufs Notenblatt. Als alle das Stück beherrschen, dürfen sie ein Häkchen daruntersetzen. Erledigt. Zeit für eine Frage: Wer hat euch zur Flöte gebracht? «Wir wollten das selbst», antworten die vier Schülerinnen Diana, 9, Anna, 7, Chantal, 8, und Malin, 8, im Chor. Richtige Traumschülerinnen sind sie. Keine Spur von Unlust.

Nicht nur Pflichtprogramm

Blockflöteln liegt bei ihnen in der Familie: Mutter, Schwester, Bruder und sogar Malins Vater greifen zur Flöte. Nicht mal zum Üben braucht es den Anstoss der Eltern, versichern die Mädchen. Dann bleiben die Flötistinnen Flötistinnen und werden später nicht Gitarristinnen oder Pianistinnen? «Wir wollen bei der Flöte bleiben», sagen Diana und Chantal bestimmt. War die Blockflöte früher Pflichtprogramm für die Kür, das eigentliche Wunschinstrument, so geniesst sie heute den Status des vollwertigen Instruments. Sie ist fast schon trendy.

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Und nicht nur Mädchen begeistern sich dafür. «Wenn Mami sagt, dass ich üben soll, dann tue ich das», sagen Kai und Leander, beide 8, die auch hier Unterricht haben. Auch sie kommen aus musikalischen Familien: Leanders Mama spielt Handorgel, der Bruder Klavier. Kais Vater bläst Trompete, Kai selbst trommelt noch in einer Fasnachtsgruppe. Wie stehts denn mit ihrer Treue zur Flöte? Leander hat Keyboard oder Gitarre im Auge, Kai Trom­pete. Aber vorerst heissts flöteln.

Bei Frau Koch gilts derweil ernst. Ein neuer Ton, das Fis, ist angesagt: Die Lehrerin bläst vor, die Mädchen spielen nach. Im Eiltempo verfliegt die Stunde. Keine Frage, diese Kinder tun das gern. War ja gar nicht so schlimm, meine Flötenstunde im hohen Alter.