Die Schulen könnten ein Verbot einführen – aber sollen sie wirklich? Rasch würden sich Eltern beklagen, dass sie ihren Kindern keine Nachrichten mehr schicken können. Es kann auch keine Lösung sein, wenn sich die Kids auf dem Pausenplatz absprechen, dass sie sich nach der Schule dieses und jenes schicken werden. Im Verbotenen liegt nach wie vor der Reiz.

Das Problem muss anders angepackt werden, denn was sich in der Schule abspielt, ist nichts anderes als der Spiegel der Gesellschaft. Und die Schule ist nicht deren Reparaturwerkstatt. Die Schule ist zwar an der Erziehung beteiligt, aber an erster Stelle stehen die Eltern. Deshalb liegt die Verantwortung für gespeicherte Foto- und Filminhalte bei den Eltern.

Dem Kind Freiheit gewähren

Statt den Schulen den schwarzen Peter zuzuschieben, sollten sich Mütter und Väter dafür interessieren, was sich ihre Kinder aufs Handy runterladen. Doch mit dem Interesse allein ist es nicht getan, denn den Kids könnten die gespeicherten Filme peinlich sein. Deshalb müssen Eltern dem Kind die seiner Reife entsprechende Freiheit gewähren – was nicht ein kuschelpädagogischer Ansatz, sondern eine Bestimmung aus dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch ist. Beim Heranwachsen müssen Eltern die Kinder begleiten und beraten, bis sie in der Lage sind, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen. Sie müssen das Wohl des Kindes wahren, damit es sich körperlich, geistig, seelisch, moralisch und sozial entwickeln kann. Dazu gehört, dass über Themen wie Gewalt und Sexualität ohne erhobenen Zeigefinger diskutiert wird.

Gewalt und Pornografie können nicht als reines Phänomen des Handybooms betrachtet werden; im Internet, auf DVD, in Magazinen und in der Gesellschaft sind beide Themen omnipräsent. Wenn Eltern davor nicht die Augen verschliessen, müssten sich Lehrer gar nicht erst mit dem Handyproblem herumschlagen.