Kinder interessieren sich dafür, wie es früher war, sie haben viele Fragen und sind so gwundrig», erzählt Elsbeth Klinkert begeistert. Die 71-jährige ehemalige Werklehrerin aus Langnau am Albis ZH arbeitet seit rund fünf Jahren mit der Primarlehrerin Helen Farkas zusammen. Vier Stunden pro Woche hilft sie im Unterricht mit. In Absprache mit Farkas hilft sie einzelnen Schülern, Wochenaufgaben fertigzustellen, unterstützt das eine oder andere Kind bei schriftlichen Arbeiten oder lässt sich von der Klasse erzählen, was sie Neues gelernt hat - damit die Lehrerin überprüfen kann, ob und was die Schüler verstanden haben.

Zudem begleitet die Rentnerin die Klasse auf Schulreisen oder hilft am Sporttag mit. «Manchmal höre ich auch einfach zu, beobachte die Kinder, und wenn ein Kind zu stören beginnt, nehme ich mich seiner an», erzählt sie.

Jung und Alt profitiert
Die Idee, Senioren im Schulalltag mitwirken zu lassen, stammt aus den USA. Dort ist die Arbeit mit sogenannten School-Volunteers schon seit mehr als 50 Jahren bekannt. Thomas Kunz, Projektberater Gemeindliche Altersarbeit bei Pro Senectute vom Kanton Zürich, hat die Idee weiterentwickelt. Im April 2000 startete er in Winterthur das Projekt «Generationen im Klassenzimmer». «Es handelt sich um eine neue Form von Freiwilligenarbeit. Im Zentrum steht die Förderung der Beziehung zwischen den Generationen», erklärt Kunz. Inzwischen wurde das Konzept in weiteren Gemeinden umgesetzt oder ist in Planung. Neben Pro Senectute sind in den verschiedenen Kantonen auch andere Organisationen als Träger aktiv, etwa die Grauen Panther in Basel.

«Ich geniesse die Spontaneität und die Ehrlichkeit der Kinder», sagt Klinkert. «Aber auch die Kinder profitieren: Sie haben eine zusätzliche Ansprechperson, und ich kann für sie eine Grossmutterrolle übernehmen, indem ich mir Zeit für sie nehme und sie wenn nötig auch mal tröste.» Auch die Zweitklässler sind vom Konzept angetan: «Ich muss nicht lange warten, bis mir jemand hilft», heissts im Klassenzimmer. Oder: «Es ist gemütlich, wenn Frau Klinkert da ist.»

Lehrerin Farkas hebt hervor, dass durch die Mitarbeit der Seniorin der Unterricht entspannter sei: Es gebe mehr Raum für einzelne Kinder, und man könne sowohl den schulisch stärkeren wie auch den schwächeren entgegenkommen. «Zudem verkörpert Frau Klinkert für viele Kinder eine Generation, die sie nicht kennen, da ihre Grosseltern oft weit weg wohnen.»

Auch die Senioren profitieren: Sie werden mit aktuellen Themen und neuen Technologien konfrontiert. «Sie werden gebraucht und können ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen», ergänzt Projektleiter Kunz. Eine besondere Ausbildung oder Erfahrung im Umgang mit Kindern ist nicht erforderlich. Aber Interessierte müssen Freude an Kindern, Geduld, Humor und Durchsetzungsvermögen haben. Sie sollen Vertrauen aufbauen und Toleranz üben können, aktiv und präsent sein sowie Zuversicht und Warmherzigkeit ausstrahlen. So steht es im Merkblatt der Pro Senectute des Kantons Zürich. Dort sind auch die wichtigsten Grundsätze festgehalten, etwa dass der Rentner nicht in die Klasse der eigenen Enkel gehen oder dass der Kontakt mit den Kindern nur in der Schule und im öffentlichen Raum stattfinden soll.

Rentnerin Klinkert ist froh um diese Richtlinien. «Natürlich unterstehe ich der Schweigepflicht, so wie Lehrer auch», ergänzt sie. «Ich kann dieses Engagement allen Seniorinnen und Senioren, die gerne mit Kindern arbeiten, nur empfehlen. Man bekommt so viel zurück von den Kindern.»

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Weitere Infos
Interessierte Seniorinnen und Senioren sowie Schulen wenden sich am besten an die Pro-Senectute-Organisation ihres Kantons. Die entsprechende Adresse erfahren Sie unter www.pro-senectute.ch oder bei der Pro Senectute Schweiz unter der Telefonnummer 044 283 89 89.