1. Home
  2. Bildung
  3. Schulexperiment: «Die Kinder lieben sie»

Schulexperiment«Die Kinder lieben sie»

In Vordemwald AG besucht eine 35-Jährige die Primarschule. Schulleiter Hanspeter Iseli erklärt, wie es dazu kam.

Norma Ammann in der dritten Klasse

Von

Beobachter: Was macht eine Peruanerin mit 35 in der dritten Klasse?
Hanspeter Iseli
: Norma Ammann hat in ihrer Heimat keine Schule besuchen können. In der Schweiz wollte sie nun lernen, was ein erwachsener Mensch können sollte; Deutsch, auch Schreiben, Rechnen et cetera. Sie und ihr Mann fanden aber kein passendes Lehrangebot, da klopften sie bei uns an.

Beobachter: Und Sie sagten unbürokratisch ja.
Iseli
: Ich fand das ein spannendes Experiment. Natürlich knüpfte ich die Bedingung daran, dass alle involvierten Parteien einverstanden sein müssen. Wenn auch nur eine dagegen gewesen wäre, hätte ich abgelehnt.

Beobachter: Hat Sie überrascht, wie gut alles funktionierte?
Iseli: Eigentlich nicht. Ich kannte ja die Lehrerin und wusste: Wenn es scheitert, dann weil sich Norma oder die Kinder unwohl fühlen. Aber das war nicht der Fall. Die Kinder lieben ihre neue Mitschülerin. Und weil es den Kindern gefiel, standen auch die Eltern dahinter.

Beobachter: Inwiefern profitieren die Kinder von Frau Ammanns Präsenz?
Iseli: Sie haben gesehen, dass es auch Erwachsene gibt, die noch etwas lernen müssen. Ja, dass sie zum Teil sogar mehr wissen als «eine Grosse» und ihr helfen können. Das hat viele Kinder angespornt und selbstbewusster gemacht. Und im Turnen wars dann umgekehrt: Da konnten dann die Jungs miterleben, wie flott eine 35-jährige Frau noch auf den Beinen sein kann (lacht).

Beobachter: Keine negativen Erlebnisse?
Iseli: Nein. Jedenfalls nicht, bis die Medien Wind davon bekamen. Allerdings dürften die Kinder letztlich auch von dem ganzen medialen «Gstürm» etwas Positives mitnehmen.

Beobachter: Der Kanton hat bereits erklärt, Frau Ammann müsse die Klasse verlassen. Die Schule sei nur für Kinder und Jugendliche.
Iseli: Ich wusste von Anfang an, dass wir uns in einer gesetzlichen – sagen wir mal – Grauzone bewegen. Ich stellte mich einfach auf den Standpunkt: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Beobachter: Glauben Sie, das Experiment könnte Schule machen?
Iseli: Ich fände es wünschenswert, wenn es in Ausnahmesituationen auch an anderen Schulen möglich wäre. Einfach, weil unterm Strich alle profitierten.

Veröffentlicht am 01. Februar 2011

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

8 Kommentare

Sortieren nach:
wesi
"Wenn einer dagegen gewesen wäre"hiess es im Artikel.Bei uns gab es einen Spruch "die Mehrzahl gewinnt".That means es kann nicht sein, wenn z.B. von 10 1 Person dagegen ist,dass sich alle anderen nach dieser EINEN Person richten müssen.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Susanne
Zwei hinkende Beine? Liebe Bea, wir werden uns eh nie einig, deshalb lassen wir dieses Thema ruhen. Im moment reicht mir ein hinkendes Bein, weil das andere gebrochen ist. Das ändert an meiner Einstellung jedoch gar nichts! Also, tschüüüsss!

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Bea
Ihre Argumente/Vergleiche, liebe Susanne, hinken auf beiden Beinen.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Susanne
"Die Kinder lieben Sie"!!! Dieses Argument zählt nicht, denn andere Kinder liebten auch Hansjörg S.! Es braucht Regeln, Gesetze und klare Richtlinien, was gerade bei religiös geführten Heimen zu wünschen übrig lässt. Wollen wir an Primarschulen am Schluss auch pädophile Analphabeten?

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.