«Was ich in der Schule gelernt habe? Rechnen jedenfalls nicht. Mangelndes Interesse, gepaart mit wenig Sinn für Zahlen, hat zu nichts geführt ausser zu diversen Eltern­gesprächen. Ich musste die schlechten Rechenkünste mit den guten Noten in den sprachlichen Fächern ausgleichen. Turnen war auch nicht gerade mein Lieblingsfach. Ich wurde jeweils als eine der Letzten ins Team gewählt, und im Hochsprung habe ich es sogar geschafft, mir mit dem eigenen Knie die Nase zu brechen.

Gelernt habe ich in der Schule vor allem Sozialkompetenz. Wirklich geschnallt, was einem die Schule bringt, habe ich ­leider erst später. Heute würde ich mit mehr Ehrgeiz an die ­Sache herangehen. Was die Musik betrifft, so habe ich in der Schulzeit wie die meisten Blockflöte gelernt, später Trompete. Und meine erste Band war natürlich eine Schülerband. Die Liebe zur Musik hat mir aber meine Mutter mit auf den Weg gegeben.»

«Ich habe viel gelernt in der Schule, vor allem über mich selber. Ich habe gemerkt, dass ich anders bin als die anderen und dass ich Mühe habe, mich zu integrieren. Ich hatte immer das Gefühl, zu langsam zu sein und mich besonders anstrengen zu müssen. Ich wusste schon damals, dass mein Leben ein Chrampf werden würde. Ich betonte meine Andersartigkeit, war rebellisch und protestierte bei jeder Gelegenheit gegen das System.

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Mit den Lehrern stand ich auf Kriegsfuss, meine Leistungen wurden im Lauf der Schulzeit aber besser – weil ich mich so sehr anstrengte. Es gab Fächer wie Chemie, Physik und Mathematik, die mich interessierten. In der Chemie wusste ich bald mehr als der Lehrer. Andere Fächer fand ich stinklangweilig, besonders die Sprachen. Weshalb Sprachen lernen, wenn man doch nichts zu sagen weiss? Verpasst habe ich in der Schule vor allem, persönliche Beziehungen aufzubauen, lebenslängliche Freundschaften. Solche habe ich leider nur wenige.»

«Ein Initialerlebnis war für mich, als wir Theodor Storms ‹Pole Poppenspäler› gelesen haben. Der Aufbau dieser Geschichte und die ungewohnte Sprache haben mich total fasziniert. Ich finde es wichtig, dass man in der Schule Literatur liest und nicht nur gut gemeinte, politisch korrekte Übungstexte.

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Für mich war auch Latein zentral. Übers Latein lernte ich, wie Sprache gebaut wird. In Geschichte hätte ich vielleicht besser aufpassen sollen, hier spüre ich manchmal Lücken. Und für Mathe hatte ich eigentlich ein grosses Flair, das jedoch nur zeitweise zum Ausdruck kam.

Ich war eine sehr leidenschaftliche, aber auch aufmüpfige Schülerin. Meine Leistungen hingen stark von der Lehrperson ab. Mit vielen gab es Probleme und Missverständnisse, am Gymnasium drohte mir sogar der Rausschmiss. Ich hab die Schule dann ein Jahr vor der Matur provokativ abgebrochen – nur um dann auf eigene Faust doch noch den Abschluss zu machen.»

«Das Wichtigste, was ich in der Schule gelernt habe: dass es in Ordnung ist, aus der Reihe zu tanzen, anders zu sein. Ich war ein sehr unruhiges, wildes Kind und störte den Unterricht häufig. Doch die Lehrer nahmen das stets mit Humor und zeigten viel Verständnis. Sie akzeptierten meine Individualität. Diese Erfahrung war enorm wichtig für meine Persönlichkeitsentwicklung, darauf gründet mein Selbstvertrauen.

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Ich war eine gute Schülerin, wirklich verpasst habe ich eigentlich nichts – auch wenn ich oft vor der Tür stand. Nur in Mathematik habe ich irgendwann abgehängt, vor allem, weil die Lehrpläne in Tunesien und der Schweiz zu unterschiedlich waren und ich den Rückstand am Gymnasium in Tunis nicht mehr aufholen konnte.»

«Ich war überhaupt kein Streber und bin sicher nicht wegen der Schule Starkoch geworden. Ich erinnere mich aber, dass ich in der Hauswirtschaft zum ersten Mal eine eigene Orangencreme kreiert habe. Unsere Lehrerin haben wir gerne geärgert. Sie war ein wenig bio-angehaucht, das war damals noch ungewöhnlich.

Wir sollten zum Beispiel stets nur drei Tröpfchen Seife ins Abwaschwasser geben – um die Umwelt zu schützen. Natürlich haben wir dann extra viel davon rein­geleert, so dass es richtig Schaum gab. Oder wir legten Sardellendosen auf die Heizspiralen im Ofen. Das gab dann eine Riesensauerei, wenn die nächste Gruppe kochte.

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Wir haben die Grenzen wirklich ausgetes­tet, und das hilft mir auch heute in der Personalführung. Ich weiss, wie die jungen Leute ticken, und kann mit ihnen um­gehen. Sicher habe ich einiges verpasst in der Schule, aber alles, was ich für meine Arbeit brauche, habe ich in der Berufs­ausbildung nachgeholt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»

«Ich kann mich an wenig Konkretes aus dem Unterricht erinnern. Lesen, schreiben und rechnen konnte ich schon im Kindergarten. Mir blieben vor allem einzelne Lehrpersonen im Gedächtnis. Meine erste Lehrerin war schon uralt und sehr streng. Das war nicht lustig. Als Teenager war ich sehr unruhig und wurde immer als Erste verdächtigt, wenn jemand ‹en Seich› gemacht hatte. Damals nannten mich alle Hugine, sogar die Lehrer, die sonst nur die Buben mit Nachnamen anredeten. Das war schlimm für mich.

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Später hatte ich aber einen Lehrer, der sehr gut auf mich eingehen konnte. Er brachte manchmal fremdländische Früchte mit, Oliven oder Kaki, und ich gehörte zu ­jenen, die alles ausprobierten. Im Rechnen war ich eine Niete. Leider wurde damals nicht gelehrt, wie man lernt. Man stopft bis heute Informationen in Kinder rein, dabei wäre es so wichtig, auch die Kreativität zu fördern.»

«Die Schule hat in mir das Interesse an den Naturwissenschaften geweckt. Ich hatte zum Glück meist Lehrer, die selber von ihrem Stoff begeistert waren. In besonders guter Erinnerung blieb mir Lehrer Meier, der immer eine zumindest angeblich persönlich erlebte Geschichte erzählte, um uns für eine Sache einzunehmen. Mühe hatte ich, wenn es etwas auswendig zu lernen galt, etwa im Französisch. Sonst lagen mir Sprachen aber, besonders Deutsch. Ich las immer sehr gern und war in der Primarschule einer der wenigen Schüler, der zwei SJW-Heftli aufs Mal ausleihen durfte statt nur eines. In Chemie hatte ich leider nie richtig begriffen, worum es da ging. Das hat mir später im Studium gefehlt. Auch Buchhaltung oder Wirtschaft sind solche Lücken, darin wurden wir gar nie unterrichtet, was ich schlecht finde. Ich nehme an, heute ist das ein wenig anders.»

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«Ich habe gute Erinnerungen an die Schule, auch wenn es damals oft sehr militärisch zuging. Wir waren 55 Schüler in der Klasse, da drängt sich so ein Regime schon fast auf.

Ich gehörte zu den guten Schülern, mir fiel alles sehr leicht. Es gab aber schon solche, die schwächer waren und ungerechterweise unter die Räder kamen. Vielleicht hat mich diese Erfahrung später dazu bewogen, Primarlehrer zu werden und Kleinklassen zu unterrichten. Ich interessierte mich mehr für die schwierigen Fälle als für die einfachen.

Nach dem Lehrersemi musste ich überlegen, ob ich weiterstudieren wollte, weil das Diplom nicht mehr lange anerkannt wurde. Doch das liess ich dann bleiben. An der Uni hätte ich wirklich anfangen müssen zu lernen, das war nicht meine Welt. Ich wollte in die Schulklasse, in die Praxis.»

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