Der Stand von Biogemüsebau Maurer steht jeden Mittwoch in der Halle des Hauptbahnhofs Zürich. «Was Sie hier sehen, stammt alles von unserem eigenen Hof und entspricht den Knospe-Auflagen», sagt Chefin Marianne Maurer (Bild) stolz. Ehemann Ernst er leitet den 20-Hektaren-Betrieb im bernischen Diessbach doppelt nach: «Wir können uns Schwindeleien gar nicht leisten. Wir sind viel zu exponiert.»

Das geht so weit, dass Maurer genau darauf achtet, wen er beliefert. «Es gibt Händler, die von mir keine Ware bekommen. Denn in den Säckli, die sie verkaufen, ist nicht immer das drin, was draufsteht.» Bedenken hat er vor allem bei Verarbeitungsbetrieben, die Waren aus Bio- und konventioneller Produktion nicht sauber trennen. Da verwandle sich ein normaler Gravensteiner schon mal in einen Knospe-Apfel.

Seit 27 Jahren bewirtschaften die Maurers nach biologischen Grundsätzen. Dass mittlerweile jeder zehnte Hof in der Schweiz biozertifiziert ist, löst bei den Pionieren gemischte Gefühle aus: «Einerseits wurde es so erst möglich, neue Märkte zu erschliessen. Anderseits zwingt der zunehmende Preisdruck, die Biorichtlinien auszureizen.» Letztlich mit negativen Folgen für die Qualität, wie Maurers fürchten.

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Anhänger der ganz reinen Biolehre diskutieren denn auch bereits über ein Label Knospe plus. Weil der Bund die Spezialkulturen von Biobauern mit 1200 Franken zusätzlich und offene Ackerflächen mit 800 Franken pro Hektare subventioniert, ist die Umstellung auf Bio nämlich noch attraktiver geworden.

Doch Bauern, die konventionell denken und biologisch produzieren, sind auch anfälliger für Betrügereien. Wie eine Auflistung des grössten Kontrollinstituts bio.inspecta belegt: Da werden trotz Knospe-Label unerlaubte Pflanzenschutzmittel und Dünger gefunden, oder da kommt verbotenes Saatgut zum Einsatz. Bei krassen Verstössen droht die Kürzung der Bio- und Flächenbeiträge oder gar der Ausschluss aus der Biovereinigung. Der Bannstrahl traf im Jahr 2000 total elf Betriebe. Zudem wurden rund 350 Verweise ausgesprochen.

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Gesündigt wird auch bei den Vorschriften für die Viehwirtschaft. Kälber bleiben trotz Verpflichtung zum Auslauf den ganzen Winter im Stall, der erlaubte Anteil konventioneller Futtermittel wird überschritten, oder die Tiere erhalten verbotenes Milchpulver und zu viele so genannte Trockensteller verabreicht. Das sind Antibiotika, mit denen man die Zitzen der Kühe behandelt.

Das Trockenstellen zeigt exemplarisch die Krux der Bioproduzenten: Wollen sie, dass ihre Kühe verlässlich und viel Milch liefern, ist es schwer, ganz auf Antibiotika zu verzichten. Alternative Heilmittel sind zwar im Kommen, doch bei vielen Tierärzten wenig beliebt. Bei Fragen zur Tiergesundheit und zu Zucht und Rasse sei «wohl viel Wille, aber auch viel Hilflosigkeit vorhanden», erklärt Christof Dietler, Geschäftsführer von Bio Suisse.

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Verschärfung der Vorschriften

Der Dachverband will im Herbst seine Richtlinien verschärfen und den Einsatz von Kraftfutter bei Milchkühen einschränken. Damit sinkt das Infektionsrisiko. Wird das Tier weniger auf Leistung getrimmt, bedeutet dies für Biobauern allerdings Einbussen beim Einkommen.

Ein heisses Eisen sind seit langem die Jahreskontrollen der Biobetriebe. Die Visite durch die vier in der Schweiz anerkannten Institute wird in der Regel angekündigt, damit der Bauer seine Papiere parat machen kann. Zudem werden fünf bis zehn Prozent der Betriebe unangemeldet nachkontrolliert, vor allem im Verdachtsfall oder bei Verstössen in der Vergangenheit.

Biobauer Maurer würde sich weniger Papierkram und dafür mehr unangemeldete Kontrollen wünschen «unseren Kunden und unserer Glaubwürdigkeit zuliebe». Ungelöst ist für ihn auch ein anderes Problem: Es gibt nicht genügend Samen in Bioqualität. Topsamen sind meist mit Fungiziden gebeizt und damit tabu. Maurer wünscht sich hier mehr Augenmass: «Es geht da oft um fast nicht mehr messbare Werte.»

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