Die Geschichte warf hohe Wellen: Das appenzellische Heilbad Unterrechstein verweigerte fünf mehrfachbehinderten Kindern und vier Begleitpersonen den Zutritt. Die Gruppe war von der nahegelegenen Heilpädagogischen Schule Heerbrugg SG aus unterwegs (siehe «Behinderte ausgesperrt» in Beobachter Nr. 6/2012). Personen mit körperlicher oder geistiger Behinderung stiessen bei anderen Badegästen «auf wenig Akzeptanz», hiess es beim Heilbad. Deshalb sei ein Zutritt von Gruppen mit Behinderten nur in Randzeiten möglich.

Weil die Reaktionen heftig ausfielen, musste das Heilbad um Entschuldigung bitten. Aber damit waren die drei Behindertenverbände Procap, Pro Infirmis und Insieme nicht zufrieden: Sie klagten gegen das Heilbad wegen Diskriminierung im Sinn des Behindertengleichstellungsgesetzes. Doch weil die vorgesehene Vermittlungsverhandlung ohne Ergebnis blieb und die Behindertenverbände ihre Klage nicht vor Gericht brachten, schrieb das Vermittleramt in Appenzell den Fall im Oktober 2012 wegen «Gegenstandslosigkeit» ab.

Es geht in die zweite Runde

Warum gingen die Verbände denn nicht vor Gericht? «Wir waren mit unserem Anwalt nicht zufrieden und mussten ihn wechseln», erklärt Caroline Hess-Klein, Leiterin der Fachstelle Egalité Handicap. Wenn eine erneute Schiedsverhandlung ohne Erfolg bleibe, werde man vor Gericht gehen.

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Nun haben die drei Behindertenorganisationen nach über einem Jahr eine neue Klage gegen das Heilbad ein­gereicht. Die Vermittlungsverhandlung soll im August stattfinden. Das Bad will «wegen der hängigen Klage keinen weiteren Kommentar abgeben».

Die Heilpädagogische Schu­le Heerbrugg hat sich längst anders organisiert und besucht mittlerweile mit ihren Kindern ein behindertenfreundliches Hallenbad. Bernhard Raos