Der kleine Surapath, von allen Jack genannt, liebt es, im Schnee herumzutollen. Doch damit könnte – nicht wegen des nahenden Frühlings, sondern wegen der Schweizer Behörden – bald Schluss sein. Das Migrationsamt des Kantons Zürich hat ein Gesuch auf Familiennachzug abgewiesen und schickt den Vierjährigen weg von seiner Adoptivmutter in der Schweiz zurück nach Thailand.

«Wir können doch nicht einfach ein Kleinkind allein ins Flugzeug setzen», sagt Gabi Leonhard, die seit vier Jahren mit Jacks Adoptivmutter und Tante, Sompong Yakhen, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.

In Thailand erwartet das Kind ein ungewisses Schicksal, es fehlen dort Betreuungs- und Bezugspersonen. «Die leiblichen Eltern, die Jack zur Adoption freigegeben haben, wollen ihn nicht zurück, die Grossmutter kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht um den Buben kümmern», erzählt Gabi Leonhard.

Seit drei Jahren betreut das Paar den Knaben, bis vor kurzem in Thailand selber, wo die beiden wohnten. Schon acht Monate nach seiner Geburt hatten die Eltern den kleinen Jack seiner Tante und ihrer Schweizer Lebenspartnerin zur Adoption angeboten. Ende 2004 adoptierte Sompong Yakhen den Knaben rechtsgültig nach thailändischem Recht. Sie und Gabi Leonhard waren in den letzten Jahren ohnehin Jacks einzige Bezugspersonen.

Thailand kennt lediglich Teiladoptionen. Volladoptionen sind im Gesetz nicht vorgesehen, selbst wenn alle Beteiligten dies wünschen. Bei Teiladoptionen werden die rechtlichen Bande zu den leiblichen Eltern nicht völlig aufgehoben.

Der kleine Jack zwischen den Fronten
Nach der Haager Adoptionsübereinkunft, die grenzüberschreitende Adoptionen regelt und sowohl von der Schweiz als auch von Thailand ratifiziert worden ist, müssen die jeweiligen Länder die Adoptionsgesetze des anderen Landes akzeptieren. Das Zürcher Migrationsamt stellt sich allerdings auf den Standpunkt, eine Teiladoption reiche nicht, um einen Familiennachzug zu rechtfertigen. Vielmehr will das Amt den Aufenthalt erst erlauben, wenn eine Adoption nach Schweizer Recht stattgefunden hat. Da dazu die adoptionswillige Person mindestens 35 Jahre alt sein muss und Sompong Yakhen erst 31 ist, kann dies frühestens 2009 geschehen. Bis dahin ist Jacks rechtliche Situation nur in einem Punkt klar: Weder in Thailand noch in der Schweiz wird er aufgenommen.

Angesichts der Härte des Falles erstaunt die Weigerung der Migrationsbehörde, das Kind in der bestmöglichen Obhut zu belassen. War dem Amt die gleichgeschlechtliche Partnerschaft der Adoptivmutter ein Dorn im Auge? Die beiden Frauen hegen diesen Verdacht. Teamleiter Gérard Jucker, der die Verfügungen unterzeichnet hat, weist ihn entschieden zurück: «Er entbehrt jeglicher Grundlage.»

Statt das Kleinkind bei seiner «Familie» zu belassen, rät das Amt den beiden Frauen in der Verfügung vom 31. Januar 2005 vielmehr, Jacks leiblichen Eltern Geld zu schicken, damit diese finanziell in der Lage seien, den Jungen – den sie erklärtermassen nicht mehr wollen – aufzuziehen. «Dieser Rat grenzt an Zynismus», empört sich Yakhens Anwalt.

Am 9. März hätte Jack ausreisen müssen. «Es blieb uns nichts anderes übrig, als Jack hier zu behalten», sagt Leonhard. «Das fällt uns nicht leicht. Schliesslich haben wir die Gesetze bis jetzt immer geachtet. Aber Jacks Wohl geht vor.»

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