«ENSI bestätigt guten Zustand des Reaktordruckbehälters des Kernkraftwerks Mühleberg»: So betitelte das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) Ende August 2012 einen Text über Ultraschallmessungen in Mühleberg. Diese war durchgeführt worden, weil im belgischen AKW Doel-3, dessen Druckbehälter vom selben Hersteller stammt wie derjenige in Mühleberg, Risse aufgetreten waren. Den Prüfbericht, auf den es sein Urteil stützte, wollte das ENSI jedoch wegen angeblichen «Geschäftsgeheimnissen» nicht herausrücken. Der Beobachter gelangte deshalb an den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDOEB), der für die Herausgabe votierte.

«Das ENSI verfügt nicht über den Bericht.»

Die achtseitige Empfehlung des EDOEB ist brisant: Sie zeigt, dass die Atomaufsichtsbehörde ihr positives Urteil abgab, ohne dass der detaillierte Prüfbericht in ihrem Besitz ist. Fachleute des ENSI hätten «Einsicht in den Prüfbericht» gehabt, präzisiert ENSI-Sprecher Sebastian Hueber: «Das ENSI verfügt jedoch nicht über den Bericht.» Der SVTI habe dem ENSI jedoch bestätigt, «dass im untersuchten Grundmaterial der zylindrischen Mantelringe des Reaktordruckbehälters in Mühleberg keine relevanten Anzeigen festgestellt wurden.»

Aktuell: Beobachter erstreitet Bericht

Nach langem Hin und Her hat das ENSI dem Beobachter nun den Bericht über Materialprüfungen am Reaktordruckbehälter des Atomkraftwerks Mühleberg ausgehändigt. Der Beobachter musste vor Bundesverwaltungsgericht gehen, bevor das ENSI den Bericht herausrückte. Kurz nach Einleitung des Verfahrens schickte das ENSI das Dokument der Redaktion zu. Der Beobachter wird den technisch komplexen Bericht nun von Fachleuten analysieren lassen.