Einige Rentner und Rentnerinnen in Teufen schlafen schon seit Wochen schlecht. «Ohne Tabletten kann ich kein Auge mehr zutun», sagt die 86-jährige Betty Müller. «Dabei war es bisher in diesem Altersheim wie im Paradies.» Und der Pensionär Max Brändle doppelt nach: «Unter dem Heimleiter Thomas Maier wurde Menschlichkeit gross geschrieben. Wir Pensionäre wurden ernst genommen.»

Der Albtraum für die Pensionäre begann am 17. Juni dieses Jahres. Die Teufener Heimkommission – sie hat die Oberaufsicht über die vier Altersheime der Gemeinde – kündigte dem allseits beliebten Heimleiter. Es ist nicht das erste Mal, dass die Heimkommission einen Leiter loswerden will. In den letzten zwölf Jahren gab es im Altersheim Lindenhügel nicht weniger als sieben Wechsel, davon mehrere wegen Kündigung durch die Kommission.

Der beliebte Leiter Thomas Maier war mit fünf Jahren am längsten im Amt. Aber jetzt musste auch er den Hut nehmen. Hauptvorwurf: Man könne mit ihm «nicht kommunizieren». Dies sagt zumindest Barbara Giger, die Präsidentin der Heimkommission.

Die Pensionäre indes sehen das anders. Sie erlebten ihren Heimleiter immer als sehr kommunikativ. Maier war stets offen für ihre Anliegen und schaffte eine Atmosphäre, in der ältere Menschen ernst genommen werden – wohl nicht immer die Regel in der Schweizer Altersheim-Landschaft.

Anzeige

Thomas Maier selber sieht die Gründe für den Konflikt ebenfalls in der Kommunikation: «Die Heimkommission und ich reden eine andere Sprache. Ich möchte ältere Menschen als Partner mit einbeziehen, doch die Kommission verfolgt mit einem neuen Heimleiter andere Pläne; es soll das Motto gelten: ‹Pensionäre haben dankbar zu sein und müssen sich ruhig verhalten.›» Die Kommission indes bestreitet diese Darstellung der Dinge.

Als Gemeindevertreter und Kommission die Rentner endlich direkt informierten, attestierten sie Thomas Maier «sehr gute Arbeit mit den Pensionären». Dafür wurden Probleme mit dem Personal ins Feld geführt. Tatsächlich hatten sich zwei Angestellte bei der Kommission beklagt. Fakt ist allerdings auch, dass 13 der 20 Angestellten Maier in einem Brief als Chef loben und voll hinter ihm stehen.

Anzeige

Gemeindepräsident Gerhard Frey vertritt dennoch einen kompromisslosen Herr-im-Haus-Standpunkt: «Es hat nichts Ehrenrühriges, wenn man einer Person kündigt, die beim Arbeitgeber kein Vertrauen mehr geniesst.» Die Gemeinde sei schliesslich der Arbeitgeber, der Heimleiter ihr Arbeitnehmer. Basta!

Unter den Pensionären – immerhin Steuerzahler und Wählende der Gemeinde Teufen – rumorte es nun endgültig. Denn als Heimbewohner sind sie nicht nur die Hauptbetroffenen des Konflikts, sondern auch zahlende Kunden. Sauer aufgestossen ist dies auch dem Personal. Krankenpflegerin Francine Kappeler: «Die Leute der Heimkommission sprachen nie mit den Pensionären. Ich empfinde die Art, wie sie mit den Heimbewohnern umgingen, schon fast als respektlos.»

Die Pensionäre gingen jedenfalls in die Offensive. In einer ungewöhnlichen Aktion unterschrieben die 32 Bewohner zwei Petitionen an den Ausserrhoder Regierungsrat und verlangten darin, dass die Heimkommission ersetzt oder abgeschafft werde und dass der Kanton die vollumfängliche Aufsicht über die Altersheime übernehmen solle. Gleichzeitig hagelte es in den Lokalmedien Vorwürfe an die Heimkommission; in den Leserbriefspalten war von «Schikanen» und «Mobbing» die Rede.

Anzeige

Zur Enttäuschung der Pensionäre und ihrer Angehörigen gab der Kanton die Petitionen jedoch weiter – an den Gemeinderat von Teufen, in dem auch zwei Mitglieder der Heimkommission sitzen. Entsprechend fiel das Ergebnis aus: Der Gemeinderat steht voll hinter seiner Kommission, und die Kündigung an die Adresse des Heimleiters wird nicht zurückgezogen.

Die Wut der Pensionäre ist nach diesem Entscheid noch grösser. Rentnerin Betty Müller: «Es hätte doch nur drei Wörter gebraucht: Maier kann bleiben.» Immerhin war der Kampf der Pensionäre für ihren Heimleiter nicht ganz umsonst: Die Gemeinde Teufen hat beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die unter anderem überprüfen soll, ob es in Zukunft noch eine Heimkommission braucht. Bruno Fehr, Sohn einer Pensionärin im «Lindenhügel», sagt denn auch: «Jetzt werden jene Strukturen genau unter die Lupe genommen, die zu diesem Konflikt geführt haben. Aber es ist jammerschade, dass ausgerechnet Heimleiter Thomas Maier ein Opfer dieser Strukturen wurde.»

Anzeige