Hans Stüdli war 73, als er in seinem Zimmer im Altersheim Romanshorn schwer stürzte. Noch am gleichen Tag, am 30. November 1999, musste der schwer herzkranke Patient ins Spital überführt werden. Die Ärzte konnten sein Leben nicht mehr retten: Am 1. Dezember, um vier Uhr morgens, starb Hans Stüdli.

Rasch konfrontierte die Leitung des Altersheim die trauernden Hinterbliebenen mit höchst irdischen Forderungen: Sie sollten den vollen Pensionspreis für weitere zwei Monate entrichten. Stüdlis Tochter stutzte, denn ihrer Meinung nach widersprach dies dem Pensionsvertrag. Dieser sieht vor: «Im Todesfall oder bei Verlegung in ein Pflegeheim/Spital wird der Vertrag ohne weiteres auf das Monatsende des nächstfolgenden Monats aufgelöst.»

Die Leitung des Altersheims stellt sich auf den Standpunkt, massgebend sei das Datum des Todesfalls. Da dieser am 1. Dezember erfolgt sei, werde der Vertrag auf Ende Januar aufgelöst. Der Pensionspreis müsse also für zwei Monate bezahlt werden. Die Rechtsschutzversicherung der Tochter sieht das anders: Massgebend sei der Eintritt ins Spital. Da dieser am 30. November erfolgt sei, erlösche der Vertrag auf Ende Dezember. Die Versicherung fügte allerdings an, dass letztlich der Entscheid eines Gerichts massgebend sei.

«Absolut unverhältnismässig»
Dazu kam es nicht – nicht zuletzt weil die Erben Stüdli vergassen, den Dauerauftrag der Bank für den Pensionspreis zu stoppen. Die Nachkommen baten darauf um eine Reduktion des Preises. Stüdlis Tochter: «Es geht doch nicht an, dass meinem Vater Mahlzeiten verrechnet werden, die er nicht mehr konsumieren konnte. Wenn Altersheimbewohner in Spitalpflege gebracht werden, erlässt ihnen das Altersheim ja auch zehn Franken pro Tag, weil sie nicht mehr dort essen. Essen vielleicht Verstorbene noch?» Für das Altersheim ist diese berechtigte Frage nicht relevant. Heimleiter Werner Flück beruft sich einfach auf den Vertrag, und da stehe, der Pensionspreis sei für weitere zwei Monate fällig – inklusive Essen.

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Hansueli Mösle, Zentralsekretär des Heimverbands Schweiz, dem 1200 Heime angeschlossen sind, kann sich darüber nur wundern. Mösle zum Beobachter: «Es ist absolut unverhältnismässig, den Pensionspreis für zwei weitere Monate zu verlangen. Meist besteht ja eine Warteliste. Innerhalb eines Monats kann das Zimmer sicher vermietet werden.» Auch bezüglich der verrechneten Mahlzeiten hat Mösle eine klare Meinung: «Sehr unschön.»