Es ist knapp 70 Zentimeter hoch, 20 Zentimeter dick, rund zwei Meter lang und besteht aus knapp vier Dutzend Sandsteinen von unterschiedlicher Grösse. Sein Alter ist unklar. Es mag vor 30 Jahren errichtet worden sein zur Sicherung der Rheinböschung.

Die Rede ist vom Ufermäuerchen auf dem Grundstück der Heide Sterk und des Thomas Winzeler (Bild). Seit Ende 1999 sind sie Besitzer der Parterrewohnung mit Garten, die an den Fluss grenzt. Das Mäuerchen war oft überflutet worden; seine Steine waren lose. Das Paar entschloss sich, das Objekt neu zu verfugen. An seinen Ausmassen änderten sie nichts.

Eine Anwohnerin meldete den Vorgang der Gemeinde. Ein Mitglied des Gemeinderats besuchte den Ort sogleich, zusammen mit einem Vertreter des Kantons. Das Protokoll bestätigte den Sachverhalt: «Hier wird tatsächlich gearbeitet.»

Winzeler, durch den Nachbarn über die heimliche Besichtigung informiert, erkundigte sich am folgenden Tag beim Baureferenten der Gemeinde. Der wusste nichts vom Augenschein. Als ihm Winzeler sein Vorhaben schilderte, bekam er zur Antwort, da gebe es keinerlei Probleme.

Doch der Lauf der Dinge ist so wechselhaft wie der Wasserstand des Rheins. Gerade ein Tag verging, bis Winzeler Post von der Gemeinde erhielt: «Die Bauarbeiten sind auf alle Fälle bewilligungspflichtig», hiess es da; ein Baugesuch sei nötig.

Winzeler schickte das Baugesuch einen Tag später in der Beilage, wie gewünscht, «Bauplan» und «Baubeschrieb» des Mäuerchens. Im «Boten vom Untersee», der Zeitung der Region, wurde die Öffentlichkeit per Inserat auf das Vorhaben aufmerksam gemacht.

Doch bei den Behörden tauchten weitere Fragen auf. Am 6. Dezember 2001 teilte das Amt für Raumplanung Heide Sterk und Thomas Winzeler mit, das geplante Bauvorhaben liege ausserhalb der Bauzone. Die eingereichten Unterlagen würden «keine abschliessende Beurteilung zulassen». Um das Gesuch sachgerecht behandeln zu können, seien erforderlich: Fotos der bestehenden Mauer sowie Fotos von ihrem früheren Aussehen.

Inzwischen hatte die Nachbarin eine schriftliche Einsprache eingereicht. Für das Mäuerchen habe nie eine Bewilligung bestanden, behauptete sie. Winzeler konterte: «Wäre das Mäuerchen vor meiner Zeit widerrechtlich gebaut worden, hätte mir dies mitgeteilt werden müssen.» Nochmals betonte er, dass weder Ausmasse noch das Erscheinungsbild verändert worden seien.

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Davon unberührt floss der Rhein zwischen seinen Ufern. Das Wasservolumen schwankt durchs Jahr zwischen 290 und 1100 Kubikmetern pro Sekunde, die Temperatur zwischen drei und 22 Grad, und bis Winzeler das nächste Schreiben erhielt, flossen knapp 500 Millionen Kubikmeter durchs Gelände.

Am 13. Februar 2002 gabs wieder Post: Das Departement für Bau und Umwelt beurteilte die bisher eingereichten Unterlagen als unzureichend. Für das Vorhaben brauche es nicht nur ein Baugesuch, sondern auch ein Konzessionsverfahren gemäss Wasserbau- und Wassernutzungsgesetz. In diesem Sinn seien nachzureichen: die Grundbuchplankopie mit Projekteintrag, der Profil- und Schnittplan, der Katasterplan mit Parzellenangaben.

«Ihrer geäusserten Bitte um Verständnis können wir leider nicht mehr entsprechen», schrieben Heide Sterk und Thomas Winzeler an den Gemeinderat von Eschenz: «Verständnis beinhaltet auch Verstand. Was sich aber hier abspielt, ist bar jeden Verstandes!» An der wenig später einberufenen Aussprache nahmen neben dem Paar teil: die Leiterin des Rechtsdienstes des kantonalen Departements für Bau und Umwelt, der Vorsteher der Abteilung Wasserwirtschaft und Wasserbau sowie zwei Vertreter des Eschenzer Gemeinderats. Fazit: Winzeler wurde aufgefordert, sein Baugesuch zurückzuziehen und dafür ein Konzessionsgesuch einzureichen.

Dieses schickte er am 9. März 2002 ab. Er hat bis heute keine Antwort erhalten. «Das Mäuerchen hat noch kein Moos angesetzt», lacht Winzeler, «aber das Gras rundum ist schon kräftig am Keimen.»

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