Ein auffälliger Sack, der da in der Eingangshalle des altehrwürdigen Berner Rathauses stand. Adressiert war er an die grüne Grossrätin Regula Rytz. Deren SVP-Ratskollege, Landwirt Heinz Siegenthaler, hielt die Inhaltsdeklaration «Gras» für etwas allzu grün. Er schritt zum Geruchstest und stellte fest: Die Aufschrift stimmte, im Sack war Heu, das die grüne Rätin Rytz bei einem Berner Oberländer Bauern bestellt hatte, um es einer Freundin und vor allem deren Kaninchen zu schenken. «GRAS» war also keine Abkürzung für «Grossräte rauchen auch Shit».

Der Landwirt als Drogenschnüffler. Allerdings wäre diese Portion im Fall des anderen Grases doch ein ziemlich grosser Joint gewesen. Neben dem Roten Libanesen und dem Schwarzen Afghanen nun auch noch der Grüne Berner Oberländer? Erstaunlich nur, dass uns der grüne Berner Oberländer Polo Hofer davon noch kein Lied gesungen hat. In den Oberländer Bergen hat man mit dieser Pflanze eine lange Erfahrung. Doch für Seile an der Eigernordwand wird der Hanf heute nicht mehr gebraucht. Dafür gibts jetzt Kunst-Stoff.

Zugegeben, der Sack im Berner Rathaus war schwer zu durchschauen, er war genauso undurchsichtig wie die Schweizer Drogenpolitik. Erstaunt sehen dort die politischen Beobachter zu, wie sich der traditionell konservative Ständerat in der Frage der Legalisierung des Cannabiskonsums für einmal viel fortschrittlicher gibt als der Nationalrat. Dort stecken die meisten selbst ernannten Drogenpolitiker den Kopf in den Sack und fordern hinter ihren Bier- und Schnapsgläsern völlige Drogenabstinenz.

Mit Verboten ist das aber so eine Sache. Die meisten der wackeren Bezirksanwälte und Untersuchungsrichter, die da ermitteln müssten, haben sich in ihrer Studienzeit wohl selbst schon einmal mit süssem Rauch die Birne benebelt – wenn sie sich nicht gerade in einer karrierefördernden Studentenverbindung mit Bier zugossen. Sie haben also zwar fundierte Fachkenntnisse, aber wie schon die Bibel sagt: Nur wer von ihnen ohne Gras war, werfe den ersten Stein.

Natürlich, da muss man den warnenden Stimmen durchaus Recht geben, ist das Kraut schädlich, wenn es im Übermass genossen wird – genau wie Wein und Schnaps und Moralin. Aber diese sind ja schliesslich auch nicht verboten. Doch das stört die Stammtisch-Drogenpolitiker nicht: Wo die wackeren Bier- und Bätzitrinker auf die Grasraucher losdreschen, wächst kein Gras mehr. Und schon gar nicht darüber.

Noch ein kleiner Tipp zum Thema Haschfixerei zum Schluss, lieber Grossrat Siegenthaler: Man kann Cannabis zwar in Joints verpacken und in Haschgüezi verbacken – aber sniffen, wie Sies auf diesem Bild versuchen, lieber Herr Grossrat, sniffen kann man es nicht. Da hätte man bald die Nase voll davon.