Der Starke zieht am kräftigsten allein. Einsam rissen 208 Frauen und Männer an den Riemen respektive an den Skulls genannten Rudern, um am 18. Armadacup auf dem Wohlensee bei Bern möglichst schnell ins Ziel zu gleiten.

Die Soloruderer habens nicht einfach: Sie sitzen fast auf dem Wasser – zwar nicht gerade auf dem Schleudersitz, aber auf einem Rollsitz, der bei Ungeschickten schnell zu ersterem werden kann –, und die Boote sind so schmal, dass man sich keinen Ausrutscher leisten darf, wenn man nicht kalt gebadet werden will. Für Vorausschauende ist Rudern nichts, das Ziel ist stets im Rücken, nie vor Augen. Wer alle anderen nur von hinten sieht, hat gewonnen.

Der Armadacup ist ein für Ruderer ungewöhnlich langes Rennen über neun Kilometer mit Massenstart. Genau genommen heisst er BKW-Armadacup, weil er von der BKW FMB Energie AG, den Bernischen Kraftwerken, gesponsert wird. Denen passen die rudernden Kraftpakete auf ihrem See gut ins Image. Denn der Wohlensee ist das Werk der BKW: Ohne ihren Damm bei Mühleberg würde sich die Aare dort noch immer langweilig, ungestaut und nutzlos durchs Tal schlängeln.

Man stelle sich vor, die BKW könnten die Power der 208 Hochleistungssportlerinnen und -sportler in ihr Netz einspeisen. Schliesslich sind sie sehr an alternativen Energien interessiert. Auf dem Mont Soleil haben sie passenderweise ein Solarkraftwerk hingestellt, beim Wasser- und Atomkraftwerk Mühleberg nutzen sie das Abgas aus einer Abfalldeponie zur Energiegewinnung, und auch im neuen Berner Fussballstadion, dem Stade de Suisse, sind sie dabei: Dort setzen sie das grösste Schweizer Sonnenkraftwerk aufs Dach. Warum also nicht die Menschenkraft nutzen? Einfach einen Generator an die Boote hängen, und schon könnte sich die BKW die Betriebsverlängerung für ihr in die Jahre gekommenes AKW Mühleberg sparen.

Gewonnen hat das Rennen um den Armadacup übrigens André Vonarburg vom SC Sempach, sein Klubkollege Florian Stofer wurde als zweitbester Schweizer Siebter. Wieder einmal wurde die Schweiz bei Sempach gerettet, denn auf den Plätzen dazwischen machten sich lauter Ausländer breit. Und plötzlich wird klar, woher der Name Armadacup stammt: Die Armada war doch jener Haufen von Kanonen auf Holzbohlen, mit denen die spanischen Habsburger England erobern wollten und dabei genauso untergingen wie die aargauischen Habsburger bei Sempach.

Einen kleinen Haken hat die Sache mit dem Armadacup wohl doch: «Der Regattaverein behält sich ausdrücklich vor, die Preise nach Belieben, ohne Vorankündigung und Begründung zu ändern», heisst es auf der Homepage. Der Berner Stromkundschaft bleibt die Hoffnung, das gelte nur für die Regatta und nicht für die Tarife der BKW.

Quelle: RUBEN SPRICH