Die ausländischen Richter haben uns schon wieder dreingeschwatzt. Jetzt wollen die fremden Fötzel in Strassburg unseren wackeren Berglern das Wolfabschiessen madig machen. Der für die so genannte Berner Konvention zuständige Ausschuss des Europarats hat nämlich den Antrag der Schweiz abgelehnt, den Schutz des Wolfs ein wenig zu lockern. Jetzt sei, so finden unsere offiziellen Wolfsbetreuer, das «Wolfsmanagement» erschwert.

Die Wölfe haben einen schlechten Ruf - ganz besonders im Wallis. Sie sollen dort Schafe gerissen haben, und einige von ihnen sind deshalb auch bereits abgeknallt worden. Walliser Wolfsmanagement der radikalen Art. Wir zittern bereits vor dem, was geschieht, wenn im Wallis ein Schaf von einem Auto gerissen werden sollte. Dann legen sich die schiessfreudigen Walliser Jäger wohl an der A9 in den Hinterhalt.

Der Mensch ist eben nicht nur dem Menschen ein Wolf, wie das Sprichwort sagt. In seiner speziellen Ausformung als Walliser Wildhüter und Jäger ist der Mensch auch dem Wolf ein Wolf. Selbstverständlich ist der Jäger vor allem ein Heger, wir haben es oft gehört - aber wenn ihm ein Wolf ins Gehege kommen sollte, dann wird der Schützer zum Schützen.

Dabei hat der Wolf doch gar keine andere Wahl, als auf die Schafe loszugehen. Erstens einmal, weil nicht nur bei den Menschen das Fressen vor der Moral kommt. Und zweitens, weil er mit seinem vorbelasteten Namen höchstens im Schafspelz eine Chance hat, in unserer Gesellschaft zu überleben.

Der eidgenössische Jagdinspektor, der Oberwalliser Reinhard Schnidrig, erklärte der Nachrichtenagentur AP, dass das aktuelle Wolfskonzept auf die Einwanderung junger Männchen bezogen sei. Mit der Rudelbildung in Italien und Frankreich zögen nun Weibchen nach. Die Familien- und Rudelbildung in der Schweiz stehe kurz bevor. Erst junge Männchen, dann Frauen und Kinder - das klingt doch sehr nach Saisonnierstatut und Familiennachzug und kommt uns aus der Schweizer Ausländerpolitik irgendwie bekannt vor. Schliesslich stammt der Wolf ja auch aus dem Süden. Vielleicht gar aus dem Südosten, aus den Schluchten des Balkan.

In diese Richtung würden ihn viele gerne zurückschicken. Das wäre doch ein wunderbares Projekt zur Verteilung unserer eben bewilligten Kohäsionsmilliarde: Mit ein paar Millionen könnte man ein Programm lancieren, um unsere Wölfe in den Osten auszuschaffen. Sind die Tiere erst einmal dort, wo während des Kalten Kriegs die roten Wölfe heulten, kaufen sich ein paar betuchte Schweizer in diesen Gegenden ein paar Jagdreviere. Damit bringen sie die Wirtschaft in den neuen EU-Ländern zusätzlich in Fahrt und knallen dann das Exportgut ab. Und die Walliser Schafe und Wildhüter hätten endlich Ruhe.

Quelle: Archiv