Die Schweizer Meister aus Wiler-Ersigen im unteren Emmental gewannen in Zürich den Europacupfinal gegen Pixbo Wallenstam aus Schweden gleich mit 9 zu 1 Toren. Die roten Ameisen waren noch schneller. Die Red Ants sind keine gefrässigen Kleintiere aus einem Gruselfilm, sondern die Unihockey-Schweizer-Meisterinnen von Rychenberg Winterthur. Sie holten kurz vor ihren männlichen Kollegen ebenfalls den Europacup, gegen die Finninnen von Tikkurilan Tiikerit. Tikkurilan bedeutet Tiger – für die Ameisen also auch zoologisch gesehen ein grosser Erfolg.

Allerdings hatten die beiden Schweizer Teams, die ganz Europa den Meister gezeigt haben, beim kunstvollen Umgang mit den Kunststoffstöcken skandinavische Unterstützung. Wiler-Ersigens Star Andreas Hedlund etwa kommt aus Schweden. Doch andere Emmentaler Torschützen tragen echt bernische Namen wie Gerber oder Zurflüh. Und die Gebrüder Hofbauer erinnern mit ihrem Familiennamen an den bekanntesten Beruf der Region.

Aber sonst: Vergessen Sie die Emmentaler Klischees! Die Emme fliesst zwar bei Ersigen und Wiler vorbei, doch A1 und Bahn 2000 sind genauso nah – zwischen den beiden Dörfern. Und die Gielen spielen alles andere als Käse, auch wenn Stöcke und Bälle reich an Löchern sind – allein der 23 Gramm leichte Ball hat deren 26. Unihockey ist die eisfreie Lightversion von Eishockey und viel weniger gefährlich. Ein Beitrag gegen die Jugendgewalt und das rasante Ansteigen der Gesundheitskosten.

Unihockey hat viele Namen. In vielen Ländern heisst es Floorball. Das estnische Saalihoki und das lettische Florbola tönen viel gemütlicher, als diese Sportart tatsächlich ist. Und die finnische Salibandyliiga und der Svenska Innebandyförbundet liefern Stars auch in die Schweizer Spitzenteams. Heute zählt man in der Schweiz fast 26'000 Aktive – mehr als im Eishockey. Und Kleine spielen eine grosse Rolle: Auch Zäziwil-Gauchern, Dürnten, Tafers oder Giffers spielen in der Nationalliga.

In Zeiten allgemeiner Sparnöte gibts ein weiteres gutes Argument für Unihockey: Laut «Sonntags-Blick» kostet eine komplette Eishockeymontur Fr. 3553.50, eine Unihockeyausrüstung dagegen nur Fr. 453.50. Aber wenn man den Wirtschaftsprofessoren glaubt, ist das volkswirtschaftlich bedenklich. Denn die Experten fordern uns auf, zu investieren und zu konsumieren und nicht zu sparen. Dabei lassen sie unerwähnt, dass Investieren und Konsumieren mit einem Professorengehalt doch wesentlich leichter fallen als mit dem Arbeitslosengeld eines Firmensanierungs-Sparopfers. Selbst bei Fragen zum Unihockey kann man sich manchmal eine Professorenmeinung sparen.