Der Bär ist halt doch ein Allesfresser. Kaum ist der Junge aus seinen temporären Jagdgründen im Schweizer Nationalpark nach Italien zurückgewandert, schlägt der Alte von der Zürcher Bahnhofstrasse zu. Die Bank Julius Bär hatte es wohl satt, in der öffentlichen Diskussion über den bunten Kunststoffbären vor der Haustür ständig in den Schatten gestellt zu werden.

Also wilderten die Bankiers im Jagdrevier des grossen Nachbarn UBS und schluckten dessen Privatbanken. Eben murmelte es noch aus der Gerüchteküche, die UBS wolle den Bären schlucken, und jetzt beisst der mit Heisshunger zurück. Damit ist die Bank Bär zum grössten Vermögensverwalter der Schweiz geworden. Und die UBS, die ihre Privatbanken abgetreten hat, müsste demnach jetzt eine öffentliche Bank sein.

Die Grossbank übernahm allerdings in diesem Deal auch 21,5 Prozent der Bär-Aktien – das Kürzel UBS bedeutet also in Zukunft auch United Bear Stockholders – und setzte ein paar seiner Manager in den Bärengraben. Der neue Bär-CEO etwa war bis dato Chef der UBS-Tochter SBC Wealth Management – in der die jetzt zu Bär transferierten Privatbanken zusammengefasst waren – und heisst Johannes A. de Gier. Da, liebe kritische Leserinnen und Leser, muss man sich schon sehr zusammennehmen, wenn man auf Wortspiele verzichten möchte.

Auch in den Bär-Verwaltungsrat kommt einer von der UBS-Tochter SBC Wealth Management, ein Mann namens Georges Gagnebin. Ein «e» mehr, und er hiesse «gagne bien» – na ja, gut verdienen wird er wohl tatsächlich. In Zeiten, in denen der Präsident der Europäischen Zentralbank Trichet heisst – was im Französischen nach einer recht unmoralischen Aufforderung tönt –, erstaunt uns gar nichts mehr.

An der Bahnhofstrasse gibts neben der Bank Bär ja auch noch die Bank Leu, mittlerweile eine CS-Tochter. Vermutlich verdanken wir diesen beiden altehrwürdigen Firmennamen das Schlagwort vom Raubtierkapitalismus. Fragt sich allerdings, ob der Name Bär einem ehrgeizigen Finanzdienstleister nicht einen Bärendienst leistet.

Auf der Website der Bank Julius Bär finden wir übrigens ein herzerwärmendes Zitat des Firmengründers Julius: «Wenn menschliche Kontakte auf Vertrauen und absoluter Integrität beruhen, dann sind sie für beide Seiten Gewinn bringend.» Jetzt muss man nur noch die beiden Seiten richtig definieren. Die eine ist Bär, die an-dere UBärS.

Für die dritte Seite, das Bärsonal, bringts dann halt nicht mehr so viel Gewinn. Zehn Prozent der Arbeitsplätze werden abgebaut. Wie heisst es doch so schön auf der Bär-Website: «Wenn Sie eine anspruchsvolle, herausfordernde Tätigkeit mit attraktiven Perspektiven in einem dynamischen und trotzdem traditionsbewussten Unternehmen suchen, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.» Schön wärs.