In der Hauptstadt des US-Milchwirtschafts-Bundesstaats Wisconsin wurde ein echter Emmentaler Käser für den weltbesten Emmentaler Käse geehrt: Mit seinem «Emmentaler Switzerland Premier Cru» gewann Christian Wüthrich am «World Championship Cheese Contest» den Weltmeistertitel. Sein 100-Kilo-Brocken siegte gegen 1’793 Konkurrenten aus 18 Ländern. Wüthrich ist Dorfkäser in der 2’315-Seelen-Gemeinde Rüderswil im Emmental und produziert 110 Tonnen Käse pro Jahr. In einem Interview erklärte er, die Jury habe die Löcher in seinem Käse als «fast perfekt» gelobt.

Eine reife Leistung von Wüthrich Chrigu - oder im Fall von Käse sogar eine vollreife Leistung. In den USA werden ja sogar Softdrinks an Schulen verboten, weil die Schüler zu dick sind. Wer mit Käserei-Kalorienbomben Ehrungen aus den Vereinigten Staaten nach Hause bringt, muss seine Arbeit schon besonders gut getan haben.

Der weltmeisterliche Käser passt gut in die momentane Wirtschaftslage: Der Aufschwung beginnt im Kopf, aber er zeigt sich auch im Laib - selbst wenn dieser voller Löcher ist. Ein bisschen paradox allerdings sind die optimistischen Nachrichten aus der Schweizer Wirtschaft schon. Da machen unsere Grossbanken immer fettere Beute, und dann erzählt uns ein St. Galler Wirtschaftsprofessor am Radio, das komme davon, dass die Geldhäuser ihr Fett abgebaut hätten. Damit meinte der neunmalkluge Herr Professor wohl die abgeschafften Arbeitsplätze. Die entlassenen Angestellten nehmen bestimmt dankbar zur Kenntnis, dass sie in der Fettschicht ihres Arbeitgebers gelebt haben sollen. Und die Chefs der Unternehmen freuen sich über das professorale Lob für ihre Fitnesskur auf Kosten anderer.

Von den gewöhnlichen Leuten jedoch kriegen die Bankiers derzeit ihr Fett ab, weil sie ihre Hälse nicht voll genug kriegen können. Denn das Fett in den Banken wurde ja nicht wirklich abgebaut, sondern von unten nach oben in die Chefetagen verschoben. Dort gibts mit den neusten Boni-Programmen jede Menge «Banker’s Switzerland Premier Cru» - vollfett und in dicken Scheiben. Wenn der alte Spruch stimmt, dass die dümmsten Bauern die grössten Kartoffeln ernten, dann muss man sich um den Geisteszustand der Grosskopfeten unserer Grossbanken ernsthaft Sorgen machen.

Und wenn die Manager zur Begründung ihrer Beutezüge wieder ihren alten Käse auftischen, fühlt man sich an Gotthelf-Geschichten erinnert. Der Pfarrer von Lützelflüh, das gleich neben Käser Christian Wüthrichs Rüderswil liegt, kannte sich bei Arm und Reich bestens aus. Doch hätte er von den Vollfettbanken unserer Tage gewusst, wäre ihm der Emmentaler im Hals stecken geblieben.

Quelle: Yoshiko Kusano