Der schweizerische Nationalsport «Jeder Bürger ein Polizist» hat da ein neues, weites Betätigungsfeld erhalten. Und die Frage bleibt offen, ob der Schaum vor dem Mund der selbst ernannten Reine-Luft-Wächter so viel gesünder sei als die Rauchwolken vor demjenigen der Kontrahenten.

Ich habe selber nie geraucht, mal abgesehen von der Mut- oder – angesichts des Gruppendrucks – eher Angstzigarette im Wäldchen neben dem Primarschulhaus und vereinzelten verhusteten Zügen an den Joints der Studentenzeit. Ich bin auch dafür, dass Raucherinnen und Raucher ihre Wölklein nicht in meine Nase blasen. Aber die Raucherabteile in allen Zügen abzuschaffen halte ich für eine reichlich benebelte Entscheidung.

Das neue Konzept der SBB lautet offenbar: Abschreckung potenzieller Kunden. Wer raucht, soll bitte schön Auto fahren und so zusätzliche Abgase produzieren. Und wenn weitere Cargo-Annahmestellen schliessen, erledigt sich die Idee von selbst, man könnte mit den Gütern auf die Schiene statt auf die Strasse. Die SBB spielen SVP.

In Luzern wird die Rauchdiskussion philosophisch. Dort geht es nicht nur um den Rauch, sondern um den Raum, wie die Website «Zentralschweiz online», kurz «zisch», berichtet. Luzern gehört zu den Bahnhöfen, in denen das Verbot ebenfalls gilt, aber nur «in geschlossenen Räumen und schlecht durchlüfteten Bereichen», wie ein SBB-Sprecher präzisierte. Jetzt stellt sich die metaphysische Frage, ob das Untergeschoss des Luzerner Bahnhofs ein geschlossener Raum sei oder nicht.

Wenn ich die Ideen des Bundesamts für Gesundheit richtig deute, ist das Rauchverbot bei den SBB erst der Anfang. Das Rauchen soll ganz weg aus unserer Gesellschaft. Sobald die Werbung plakatflächendeckend ausgemerzt ist, besteht als Nächstes dringender Entfernungsbedarf im abendländischen Filmschaffen. Den Diven und Helden der Filmgeschichte muss das Stäbchen aus dem Mundwinkel geschlagen werden. So wie die Fluglinien aus den an Bord gezeigten Filmen alle die Flugangst schürenden Szenen herausschneiden lassen, wären aus den alten Streifen die Raucherepisoden zu kappen. Das würde Frankreichs Nouvelle Vague und viel Hollywood spurlos erledigen.

Da wäre uns allerdings mehr geholfen, wenn der blaue Dunst und die Nebelwände aus den Reden vieler Politiker und Wirtschaftskapitäne eliminiert würden.

In ein paar Jahren lancieren die SBB dann ein vielversprechendes neues Top-Angebot: Abenteuerreisen in die letzten Raucherreservate.

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