Die Bernerinnen haben mal wieder die Nase vorn. Die Bundesstadt hat als einzige der grossen Schweizer Städte eine Frauenmehrheit in der – von sieben auf fünf Sitze verkleinerten – Regierung, und im Parlament sind die Frauen mit über 40 Prozent ebenfalls ausserordentlich gut vertreten. Dies obwohl sogar eine bisherige Gemeinderätin, wie hier die Stadtregierungsmitglieder heissen, abgewählt wurde. Dabei erhielt Ursula Begert deutlich mehr Stimmen als zwei der Gewählten. Proporzpech.

Schon in den neunziger Jahren waren die Frauen im Berner Gemeinderat für einige Zeit in der Überzahl. Und auch Rot-Grün, die Farbkombination, die in der Berner Stadtregierung die Mehrheit hat, hat in Bern Tradition. Bereits vor vielen Jahren wurde die Stadt für den reichhaltigen Geranienschmuck an ihren Sandsteinfassaden international ausgezeichnet. Bern in Blumen, hiess das damals. Blumen bekommt Bern heute sogar vom Wirtschaftsblatt «Cash». «Die Roten machen es besser», titelte die Zeitung und lobte, wie in der Bundesstadt die linke Regierung die Schulden abbaue, die sie von ihren bürgerlich dominierten Vorgängern geerbt habe. Bei den Linken sind eben Hausmänner zahlreicher als rechts. Und die verstehen sich fast so gut aufs Haushalten wie die Frauen.

Im Kanton Aargau dagegen, in früheren Jahrhunderten bernisches Untertanenland, sieht es auch heute noch aus wie zu den Zeiten der gnädigen Herren: Kein weibliches Wesen stört das Bild der Kantonsregierung. Und sogar jenseits des Röstigrabens, im sonst so weltoffenen Genf, sitzt keine Frau in der Stadtexekutive.

Dafür gibts im bevölkerungsstärksten Kanton, in Zürich, mittlerweile ebenfalls eine Frauenmehrheit in der Exekutive. Und dort, im Kanton, in dessen Hauptstadt vor vielen Jahren die liebe Frau Lieberherr als Vorreiterin in der Stadtregierung die Geschlechter schon in ihrem Namen zusammenzubringen wusste, hat sogar die SVP eine Frau eingebracht und damit ihren soliden Ruf als «Sans-Vemmes-Partei» arg beschädigt. Ihre Vertreterin Rita Fuhrer hat als Polizeidirektorin gemeinsam mit der Stadtzürcher Polizeichefin Esther Maurer demonstriert, dass auch Frauen wie Männer politisieren können: Das staunende Publikum erlebte, wie der Kampf um Kompetenzen zwischen Fuhrer und Muurer immer sturer wurde.

Nur auf den Stadtpräsident(inn)ensessel einer grossen Deutschschweizer Stadt hats bis jetzt meines Wissens nie eine Frau geschafft. So ist das in der Politik: Partei- und Basisarbeit sind sprachlich gesehen weiblich, Wahlerfolg und Regierungssitz männlich. Und das sächliche Proporzglück lacht hauptsächlich den Männern. Da bleibt nur noch die Hoffnung auf das Jahr 2021: Vielleicht klappts ja zum 50. Geburtstag des nationalen Frauenstimmrechts.

Quelle: Lukas Lehmann