Ein Mann in der Maske. So nennt man im Fernsehstudio den Ort, wo den Bildschirmhelden vor der Sendung der Angstschweiss weggepudert wird. Mit einem sanften Braunton werden allfällige rote Bäcklein abgedeckt. Doch der Mann mit dem grossen rosafarbenen Lätzchen, der einmal mehr im Mittelpunkt sitzt, braucht keine Angst zu haben, denn er hat glänzend abgeschnitten. Fernsehpuder hilft auch gegen allzu glänzende Haut. Und schon lässt der frisch Maskierte der Schweiz den Bundesrat-Blocher-Marsch blasen.

Tags darauf, der Puderstaub hat sich kaum verzogen, folgt der grosse Schock. Plötzlich droht der zukünftige Magistrat mit einer Revolution, falls er nicht in die Regierung gewählt werde. Der einzige Achtundsechziger, der noch von Revolution spricht und aus dem Staat Gurkensalat machen will. Dabei wissen es doch mittlerweile alle, die 1968 studiert haben, dass man heute andere Sprüche klopfen sollte, wenn man Karriere machen will.

Denn heute geht man nicht mehr auf die Strasse – man baut sie. Blochers betont betonfreundliche Parteikollegen sitzen ganz vorne auf der Baumaschine und möchten am liebsten das gesamte soziale Netz durchs Strassennetz ersetzen. Ich bloche, also bin ich.
Konsequenterweise gab Blocher an diesem Tag danach nicht im Fernsehstudio Auskunft, sondern beim Einsteigen in seine Luxuslimousine der Marke Audi. Das ist die lateinische Version der guten alten Automarke Horch und wie diese die Befehlsform von «Hören». Der Überblocher ist das Befehlen so gewohnt, dass sogar sein Auto zum Imperativ wird.

«Der Starke ist am mächtigsten allein» ist sein Wahlspruch. Doch selbst wenns der Wilhelm Tell gesagt haben soll – in den Mund gelegt wurde ihm der Satz von einem Ausländer, der wegen illegalen Grenzübertritts vorbestraft war. Aber dieser Friedrich von Schiller verlangte wenigstens nie in der Schweiz Asyl. Und ausserdem ist er schon lange tot.

Damit der Starke allein mächtig sein kann, gibts nur eine Lösung: Blocher persönlich braucht zwei Sitze im Bundesrat. Einzig er kann seine Parteilinie stets fehlerlos vertreten. Allein für zwei abstimmen – diese Fertigkeit hat er schon im Nationalrat erprobt, wenn er den Abstimmungsknopf auch für die abwesende Nachbarin drückte.

Zwei Sitze zu besitzen würde er mühelos schaffen. Er erinnert ohnehin gelegentlich an den biblischen Feldherrn Holofernes, der in Johann Nestroys Parodie «Judith und Holofernes» über seine Erfolge nachdenkt: «Ich bin der Glanzpunkt der Natur, noch hab ich keine Schlacht verloren, ich bin die Jungfrau unter den Feldherrn. Ich möcht mich einmal mit mir selbst zusammenhetzen, nur um zu sehen, wer der Stärkere is, ich oder ich.»

Wir freuen uns aufs Duell zwischen dem doppelten Blocher. Dopplet oder nüüt. Und der Verlierer kriegt in der Maske ein neues Gesicht.

Quelle: Walter Bieri