Alle waren sie in Champagnerlaune: die Vertreter der Swiss, weil sie erstmals in der Geschichte der jungen Fluglinie gute Zahlen zu vermelden hatten. Und Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät, weil er einen neuen Airbus A330 der Swiss auf den Namen «Bern» taufen und dabei reichlich Champagner verspritzen durfte. Die Swiss benennt ihre Vögel neuerdings nämlich nicht mehr nach Berggipfeln, sondern nach Schweizer Städten, weil sie wohl gemerkt hat, dass ihre Kundschaft unten in den Agglomerationen hockt und nicht in den lichten Höhen.

Die Begeisterung von Alexander Tschäppät über seinen Auftritt am Flughafen ist doppelt verständlich. Zum einen durfte er sich wieder einmal national in Szene setzen - seit seinem Rücktritt aus dem Nationalrat fehlt ihm das bestimmt. Zum anderen muss er sich zu Hause in Bern gegenwärtig schon für eine simple Tramlinie in den Westen der Stadt mächtig ins Zeug legen. Vor laufenden Kameras Luftbusse zu taufen macht dem Herrn Präsidenten bestimmt mehr Spass, als im Berner Tram Luftschlössern hinterherzufahren.

Während in den Medien immer wieder spekuliert wird, ob die Swissair an jenem ominösen Tag vor fünf Jahren noch Kohle hatte oder nicht, hat die Swiss nun ganz offensichtlich wieder Geld - jedenfalls für ein paar neue Flugis und Piloten. Mit den Deutschen gehts der Swiss gut, vor allem dank der Star Alliance, der Allianz von Fluglinien, in welche die Lufthansa sie mitgenommen hat. Und die neuen Flugzeuge werden nicht gekauft, sondern kostengünstig gemietet - die Swiss fliegt mit Mobility. Allerdings fehlen ihr nun plötzlich die erfahrenen Piloten, deren Arbeitsplätze sie in den letzten Jahren eingespart hat. Sie möchte die Alten gerne zurückholen, aber diese sind längst in anderen Lüften unterwegs.

Dafür ist ein anderer Ehemaliger der Swissair wieder aufgetaucht: der frühere Chef Philippe Bruggisser, der in den neunziger Jahren als Jäger und Sammler so lange kleine Fluglinien an den Swissair-Kahn hängte, bis dieser mit Karacho in die Tiefe donnerte. Philippe le Grand kandidierte jetzt vergeblich als Verwaltungsrat bei den South African Airways, die wie die Swiss zur Star Alliance gehören. Vielleicht scheiterte Bruggissers Transfer nach Südafrika an der fehlenden Exportrisikogarantie.

Falls die Swiss einst der Städte überdrüssig werden sollte, um ihre Flugzeuge danach zu benennen, würden sich die gewesenen Manager als Namensgeber anbieten. Die Airbusse «Bruggisser», «Honegger» und «Corti» würden in der weiten Welt von Schweizer Geschäftstüchtigkeit künden und fernen Flughäfen eine exotische Note verleihen. Bei den Schweizer Passagieren allerdings könnte in diesen Maschinen Absturzangst aufsteigen.

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