Der Sieger schwebt ab und wird von den Konkurrenten auf Händen getragen. Der Bündner Landwirt Renzo Blumenthal bekam die Blumen als schönster Schweizer. Ein Biobauer als Mister Schweiz.

Ein völlig bio-logisches Resultat, werden die Freunde der Biolandwirtschaft sagen. Diese Kost macht einfach gesünder, stärker und schöner. Das Ganze war wohl ein genialer Streich der Biobauern, um neue Abnehmerkreise zu erschliessen. In der Szene rund um Miss- und Misterwahlen wurden bisher jedenfalls eher wenige Biofreunde vermutet. Da liegt noch einiges an Absatzpotenzial drin.

Der neue PR-Sympathieträger der Biobauernschaft ist dafür ideal. Herr Blumenthal kommt aus dem Lichttal, dem Val Lumnezia. Viel blühender und leuchtender konnte man sich den Vorzeigebauern nicht wünschen. Er gab sich auch gleich sehr kommunikativ – mit Sätzen wie aus dem Werbeprospekt. Zu seiner neuen Rolle meinte er im Internetchat der Tageszeitung mit dem Über-Blick: «Das Ziel ist in erster Linie, unsere schöne Schweiz zu präsentieren, mit unserer schönen Landschaft und den Bergen. Und natürlich auch unsere vierte Landessprache.»

Auch die sprachlichen Minderheiten dürfen sich also wieder vertreten fühlen. Nach Schweizer Mistern wie Adel Abdel-Latif, Tamim Kandil oder Robert Ismajlovic kommen jetzt die Rätoromanen zum Zug. Ein kleiner Trost, nachdem Pascal Couchepin die zur Vizekanzlerin gewählte Corina Casanova herzlos aus der romanischen Sprachgemeinschaft in die Deutschschweiz umgesiedelt hat.

Doch schon am zweiten Tag der Mister-Amtszeit folgte die erste Hiobsbotschaft. «Mister Schweiz: Sein Lieblings-Kalb ist tot. Es hiess gleich wie seine Freundin», informierte uns der «Blick» und zeigte damit: Die Bergbauern und ihre Probleme sind wieder ein Thema in den Schweizer Medien.

Allerdings hat die Medienszene noch ein wenig Mühe mit dem Neuzugang. Die Interviewerin des Senders Star TV nannte Mister Blumenthal jedenfalls Renzo Rosenthal. Botanisch ist das sicher nicht ganz falsch, aber offenbar ist das Edelgeschirr aus dem Hause Rosenthal im Unterland noch etwas bekannter als der schönste Bündner Bauer.

Das dürfte sich bald ändern. Denn auf die Frage eines Internetchatters, ob er täglich seinen Body stähle, antwortete der frisch Gekrönte: «Nein, ich trainiere bei meiner täglichen Arbeit als Landwirt.» Da werden die Möchtegern-Mister-Schweiz scharenweise aus den städtischen Fitnessklubs in die Berggebiete strömen und sich als Bauernknechte verdingen. Es winkt ihnen ein Titel, den Renzo Blumenthal ebenfalls erobert hat: Der schönste Schweizer wird «Mister Heubuuch» genannt. Tönt doch viel gemütlicher als «Mister Waschbrettbauch».

Quelle: Sebastian Derungs