Heute Auktion – von was wohl? Nach unserem Bild mit von solidem Holz geschützten Abfallcontainern zu schliessen, dürften es Überbleibsel vom grossen Fest der Liebe und der Geschenke sein, die da nutz- und gewinnbringend an die Leute gebracht werden sollen. Denn vieles wird nicht gebraucht, und vieles ist nicht zu gebrauchen von all dem, was über die Ladentische und unter die Weihnachtsbäume geschoben worden ist. Wenn man sieht, wie elektronische Werk- und Spielzeuge ihre Empfänger oft schlicht überfordern, denkt man an den uralten Seufzer des ewigjungen Comic-Helden Charlie Brown, der einst nach Weihnachten stöhnte: «Ich hasse es, mich für Geschenke bedanken zu müssen, die ich bereits kaputtgemacht habe.»

Weg also mit dem Zeug. Und statt des Ausverkaufs, bei dem sich alle auf den Füssen herumstehen und ihre schlechte Erziehung zur Schau stellen, wäre eine diskrete Auktion gar nicht so schlecht. Das Schild auf dem Bild, das eine solche Gant verspricht, ziert übrigens an Auktionstagen den Holzverschlag für die Abfallcontainer einer renommierten Zürcher Galerie. Da wird bestimmt nicht gewöhnlicher Schrott versteigert, sondern edler Sondermüll. Schliesslich hat dieser in der abendländischen Kunst der letzten Jahrzehnte beachtliche Karriere gemacht und auch schweizerischen Abfallveredlern wie Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl oder Daniel Spoerri zu Weltruhm verholfen. Nach der Karriere im Ausland wurden dann diese Künstler mit einiger Verzögerung auch in der Schweiz nicht mehr als Schrott abgestempelt.

Das Bild lässt vermuten: Da kümmert sich eine Galerie um den Künstlernachwuchs und versteigert deshalb geeignetes Material für künftige Kunstwerke. Die Frage ist nur: Werden hier ganze Container angeboten oder nur die Einzelteile? Also ganze Bausätze oder nur Bruchstücke? Wir freuen uns auf die entsprechenden Versteigerungskataloge: Champagnerflasche, Jahrgang 1999, geleert; Panettone-Verpackung, Weihnachten 2005, gebraucht – besonders für Eat-Art-Werke geeignet. Aus dem Verpackungsmaterial liesse sich ebenfalls Bleibendes schaffen. Der grosse Luginbühl hat ja auch die Holzformen, in denen Gusseisen geformt wurde, zu Kunst montiert.

Möglichkeiten gibt es viele. Jetzt, da man in Zürich die nigelnagelneue, millionenteure Bahnhofstrassenbeleuchtung nach Meinung vieler Leserbriefschreiber gleich in den Abfall schmeissen soll, wäre auch dort Wiederverwertung angezeigt. So könnten die umstrittenen Lichtröhren eine Art von Neon-Klassizismus begründen. Kunst und Ästhetik sind ja in jeder Beziehung eine Geschmacksfrage.

Bei dem auf unserem Bild zu erahnenden Kunst-Stoff werden sie spätestens nach einigen Tagen vielleicht sogar zur Gestanksfrage.